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Zwar sind einige psychotherapeutische Verfahren historisch gut untersucht, doch körperorientierte Zugänge harren noch der Bearbeitung. Daher ist eine Pionierstudie willkommen. Der Herausgeber des vorliegenden Bandes, der Berliner Medizinhistoriker Thomas Müller, ist aufgrund des unbefriedigenden Forschungsstandes vorsichtig. Es sollen »erste Lücken« geschlossen werden.
Einleitend stellt Mitchell Ash das Unternehmen in einen größeren Kontext: Erstens gehe es um die Entstehung und Ausdifferenzierung der jeweiligen therapeutischen Berufe. Zweitens, und damit verflochten, um die Entwicklung einer »psychologischen Gesellschaft« - einer Gesellschaft, die von sich selbst in einer psychologischen Sprache erzählt und von Psychotherapien viel erwartet. Kontrovers sei die Bewertung dieser Entwicklung: ist für die einen »Therapeutisierung« emanzipativ, so meinen andere, sie bedeute nur Selbstverpflichtung zu Individualität und Gesundheit. Drittens sei die Lokalhistorie wichtig. Leider deutet Ash diesen Punkt nur an. Hier hätte man gern genauer erfahren, was das besondere an Berlin war.
Im Hauptteil des Bandes werden in zumeist instruktiven und wohlinformierten Beiträgen einzelne psychotherapeutische Verfahren dargestellt. Anhand der Biographie von Fritz Perls untersucht Bernd Bocian die Wurzeln der Gestalttherapie. Thomas Müller skizziert die Etablierung der Psychoanalyse in Berlin, von der kleinen Gruppe, die sich 1908 in Karl Abrahams Wohnung traf, bis zur Stabilisierungsphase der Weimarer Republik, zur Emigration der jüdischen PsychoanalytikerInnen unter dem Nationalsozialismus und den unrühmlichen Versuchen der wenigen verbliebenen KollegInnen, die Psychoanalyse im Rahmen des »Göring-Instituts« zu »bewahren«. Mit der Entwicklung der Individualpsychologie Adlers befaßt sich Michael Kölch. Ihre sozialpsychologische und pädagogische Ausrichtung ebnete dieser Schule den Weg in die Jugend- und Erziehungsarbeit während der Weimarer Republik. An dieser Stelle hätte man sich allerdin