You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Für alle, die sich mit Geschichte der Psychoanalyse beschäftigen, steht das Jahr 2006 mehr oder weniger im Zeichen des 150. Geburtstags von Freud. Auch LUZIFER-AMOR trägt diesem Jubiläum Rechnung. Dabei setzt das vorliegende Heft einen Akzent, wie er einer wissenschaftlichen Spezialzeitschrift angemessen ist: es feiert mit seinem Schwerpunkt nicht nur Freud, sondern gleichzeitig eine der Institutionen, denen wir einen Großteil unserer Kenntnisse über ihn verdanken: das Londoner Freud Museum. Dieser Fokus erinnert daran, daß alle historische Forschung von Quellen abhängig ist, als Basis und Korrektiv des rezipierten und Ausgangspunkt neuen Wissens, und somit auch von den Orten, wo Quellen gesammelt und bereitgestellt werden: von Archiven (und Bibliotheken). Wie die Beiträge zum Schwerpunktthema zeigen, müssen europäische Freud-Forscher für Arbeiten an den Quellen nicht immer nach Washington fahren, sondern können vieles auch im näher gelegenen London tun.
Zu Beginn geben Michael Molnar, der derzeitige Direktor, und Christfried Tögel, Research Fellow am Freud Museum, einen Überblick über die Londoner Bestände. Danach setzt Molnar einerseits die Serie seiner gedankenvollen Bildbetrachtungen in LUZIFER-AMOR fort und durchbricht sie andererseits, insofern er nicht eine Photographie, sondern eine Radierung betrachtet: das Porträt, das Max Pollak Ende 1913 von Freud anfertigte. Er bringt die pathetische Stimmung des Bildes mit der historischen Situation zur Zeit seiner Entstehung zusammen und geht speziell auf die einzelnen Antiquitäten ein, die darin als dunkle Silhouetten und vielleicht als Quelle der Inspiration vor Freud aufgebaut sind. Mit einem anderen Teil von Freuds Antiquitätensammlung, mit Darstellungen zumeist bedrohlicher Frauen (Herrin der Tiere, Sphinx, Medusa, Baubo), befaßt sich Janine Burke. Sie beleuchtet den mythologischen Hintergrund dieser Figuren und erkennt in ihnen Aspekte einer wilden, machtvollen Weiblichkeit, die in modernen feministischen Diskurs