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Minna Bernays, die 1865 geborene, um vier Jahre jüngere Schwester von Sigmund Freuds Ehefrau Martha, war als 17jährige schon verlobt gewesen mit einem jungen Gelehrten, Ignaz Schoenberg, der vor einer brillanten wissenschaftlichen Karriere als Indologe zu stehen schien, dann aber an Tuberkulose erkrankte, deswegen nach drei Jahren die Verlobung auflöste und ein Jahr darauf starb. Gerade bevor dieses Drama seinen Lauf nahm, verlobten sich Martha und Sigmund, und sogleich begann der Briefwechsel auch mit dem »lieben Schwesterchen«, wie Sigmund Minna zuerst nannte. Man hatte gemeinsame familiäre Probleme, z. B. mit dem etwas hochstaplerischen älteren Bruder von Martha und Minna, dann mit der - seit 1879 verwitweten - Mutter, die ihre Töchter bei sich in Hamburg haben wollte und sich damit auch durchsetzte, da Sigmund noch nicht imstande war, eine Familie zu finanzieren. So kam es zu reichhaltigen parallelen Briefwechseln: einerseits liefen fast täglich Briefe zwischen den Brautleuten hin und her, andrerseits wandten sich Martha und Minna oft im gleichen Brief an Sigmund. Die beiden Schwestern erscheinen als bedeutende, geistreiche Frauen, so daß ihre Briefe auch unabhängig von Freud Interesse verdienen. Als Beispiel für die Art dieses gemeinsamen Austauschs sei aus einem Brief zitiert, der wenige Wochen vor der Hochzeit von Martha und