You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Siebenhüners Werk ist die erste deutschsprachige Biographie in Buchform über Frieda Fromm-Reichmann, die bedeutende Psychoanalytikerin und Psychose-Therapeutin. Die Autorin hat keine eigenen Forschungen durchgeführt, zieht aber die bislang erschienenen historischen Arbeiten zu Fromm-Reichmann vollständig heran. Das Bildmaterial ist ausführlich und instruktiv, das Design des Buches ansprechend.
Der Leser wird ausführlich über den familiären Hintergrund Fromm-Reichmanns
informiert, die in Karlsruhe geboren wurde und in Königsberg aufwuchs (vgl. ). Vor allem die Mutter (deren Mutter gemeinsam mit Clara Schumann Klavier gespielt hatte) vermittelte eine fundierte intellektuelle und musische Bildung. Der Vater war ein sehr religiöser Jude, für den soziale Verpflichtungen wichtig waren. In der Beschreibung von Fromm-Reichmanns schulischem und beruflichem Werdegang wird zugleich die damalige psychoanalytische und akademische Welt dargestellt. Sowohl die neurologische Ausbildung und Tätigkeit in Königsberg und Frankfurt a. M. als auch die psychotherapeutische Zeit bei J. H. Schultz in Dresden und im eigenen Sanatorium in Heidelberg kann man gut verfolgen. Das gleiche trifft für die Arbeit im Südwestdeutschen Arbeitskreis für Psychoanalyse und im neugegründeten Frankfurter Psychoanalytischen Institut zu. Nicht der Autorin anzulasten ist, daß auch sie keine Hinweise darauf bringt, ob und wie die Kontakte aus dieser Zeit zu Karl Landauer, S. H. Fuchs (Foulkes) und Heinrich Meng nach der Emigration weiter gepflegt wurden. Da der Nachlaß Fromm-Reichmanns wohl bis 2021 gesperrt ist, wird man vielleicht erst dann mehr darüber erfahren.
Ärger schleicht sich bei der Lektüre ein, wenn die Autorin zu schnell und apodiktisch mit biographischen Deutungen bei der Hand ist und letztlich alles durch die Brille Josef Rattners sieht - was sie immerhin klar benennt (z. B. S. 53, 55, 97). In der Schilderung von Leben und Werk Fromm-Reichmanns in Chestnut Lodge und den USA allgemein geht dies au