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Das vorliegende Buch über einen der bedeutendsten US-amerikanischen Psychiater des 20. Jahrhunderts schließt eine seit langem bestehende Lücke. Es handelt sich um die deutsche Übersetzung eines im Jahre 2000 erschienenen italienischen Originals. Sich dem umfangreichen Werk eines Psychiaters zu nähern, dessen Konzepte psychiatrischer Therapie und Praxis mehr als diejenigen vieler anderer die Bezeichnung »interdisziplinär« verdienen, und es auf seine aktuelle Relevanz hin zu prüfen, bedeutet eine besondere Herausforderung. Der Autor berichtet vom Lohn dieser Mühen und läßt seine Leser in vier Kapiteln zur »Aktualität von Sullivans Werk« daran teilhaben. Wir finden hier u. a. einen historischen Abriß zur »Psychotherapie der Schizophrenie«, eine Darstellung von Sullivans vielfältigen sozialwissenschaftlichen Tätigkeiten während seiner Chicagoer Zeit, wie seinem Beitrag zum Konzept einer »präventiven Psychiatrie«. Sullivans technische Konzepte werden in bezug auf die Psychotherapie und Psychoanalyse der Gegenwart diskutiert, die Entwicklungslinien von seiner »interpersonalen Theorie« zu einer »interpersonalen Psychoanalyse« nachgezeichnet. Den Beziehungen zwischen Sullivans Werk und dem von S. A. Mitchell wird große Beachtung geschenkt.
Doch ist damit der zweite Teil des Buches zuerst umrissen. Nicht weniger gewichtig ist der erste, biographisch-historische Teil, dem ebenfalls vier Kapitel gewidmet sind. Daß Biographisches zu Sullivan, wie von Helen Perry, bereits vorliegt, mindert nicht die Relevanz von Concis Beitrag, dessen Perspektive sich von der anderer Biographen unterscheidet. Auch im ersten Teil kommen Leser, die an der Geschichte der Psychoanalyse interessiert sind, auf ihre Kosten. Die Frühgeschichte der Psychoanalyse in den USA und die Rolle einzelner Akteure werden dargestellt; man erfährt von der zentralen Position des Zürchers Adolph Meyer, auch von den Nachwirkungen der »fünf Vorlesungen« Freuds oder den Beiträgen der ersten Generation involvierter Nordame