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Sehr geehrte Anwesende,
liebe Kollegen.
Vergleichen wir den heutigen, den 83. Geburtstag Freuds mit dem vom vorigen Jahr, so müssen wir bei aller Tragik der Zeitläufte mit einem Gefühl besonderer Beglückung feststellen, daß es doch so unendlich viel besser jetzt ist. Es war eine höllische Zeit damals. Er war in Wien, und wir fürchteten so sehr für ihn. Thomas Mann trifft unsere damalige Angst besonders gut, wenn er im »Bruder Hitler« sagt:
Wie muß ein Mensch wie dieser, Hitler, die Analyse hassen. Ich habe den stillen Verdacht, daß die Wut, mit der er den Marsch auf eine gewisse Hauptstadt betrieb, im Grunde dem alten Analytiker galt, der dort seinen Sitz hatte, seinem wahren und eigentlichen Feinde, dem Philosophen und Entlarver der Neurose, dem großen Ernüchterer, dem Bescheidwisser und Bescheidgeber selbst über das »Genie«.
Hitler mag genügend Gründe seiner eigenen Art gehabt haben, nach Wien zu gehen, Österreich zu annektieren, wie er ja auch Gründe für den Anschluß der ČSR an Deutschland gefunden und frech in die Welt hinausgetrommelt hat. Aber es wird doch viel an der Vermutung Thomas Manns sein.
Ich erzählte Ihnen voriges Jahr, was Freud in jenen Monaten in Wien getan hat. Bald wird das damals von ihm übersetzte Buch der Marie Bonaparte über den »Chow«, den Hund mit dem goldenen Fell, erscheinen. Er hatte sich von Menschen abgewandt und den Hunden zugewandt. Als er aber nach London kam, machte er sich an die Fertigstellung eines Manuskripts, das er seit einigen Jahren liegen gelassen hat, weil er nicht glaubte, daß er es ohne Schaden für die psychoanalytische Bewegung in Österreich fertigmachen könnte. Ich meine das Buch über »den Mann Moses«, das Ihnen in der heutigen Sitzung an Freuds Geburtstag