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Sadger stellt seinen Erinnerungen an Freud einen Satz von Grillparzer voran: »Glücklich der Mensch, der fremde Größe fühlt / Und sie durch Liebe macht zu seiner eignen.« Von narzißtischer Liebe ist also die Rede, durch die der Liebende ein bewundertes Objekt in sein erweitertes Selbst aufnimmt, mit ihm verschmilzt und so das Gefühl des eigenen Wertes mehrt. Dazu gehört auch, was Grillparzer hier nicht sagt, was ihm aber vertraut war, daß das geliebte, bewunderte Objekt eine bedrohliche Macht über das eigene Selbstgefühl erhält. Der 17jährige Grillparzer schrieb am Anfang seines Tagebuchs: »Ich bin unter einem unglücklichen Stern geboren; ich kann keinen Freund finden! [… Ich] bilde mir ein, daß mein Herz für die Gefühle der wärmsten, innigsten Freundschaft geschaffen sei, und dennoch finde ich keinen wahren Freund.«
Sadger war in der »schönen Literatur« bewandert, wie schon das Verzeichnis seiner vielen Schriften zeigt, von denen nicht wenige Dichtern gelten: von Hauptmann, Ibsen, Kleist, Raimund, Goethe, Hebbel handeln Aufsätze oder Bücher von ihm. So weist wohl auch die Wahl des Mottos auf eine tiefere Beziehung zum schwierigen Menschen Grillparzer hin. Auch Sadger war »unter einem unglücklichen Stern geboren«. Er war zu heißer, bewundernder Liebe fähig, wirkte aber kalt und abweisend. »Annäherung an einen ungeliebten Psychoanalytiker« lautet der Titel des aufschlußreichen, verständnisvollen Nachworts zu dem hier vorgestellten Band, das Sadger mit einem Shakespeare-Zitat als »verloren im Labyrinth seines Grimms« darstellt.
Geboren wurde Isidor Sadger 1867 in einer kleinen polnischen Stadt von jüdischen Eltern, von denen nichts weiter bekannt ist, weil er bei der Immatrikulation an der Universität Wien die Rubrik »Eltern« nicht ausfüllte. Er ließ sich 1893 als praktischer Arzt, später Nervenarzt, in Wien nieder und wurde 1895 von einem Freund überredet, die Vorlesung des Privatdozenten Freud über Neurosenlehre zu besuchen, damit die drei Hörer zusammenkamen, die für