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Elf Jahre nach seinem Büchlein Freuds Wien hat Christfried Tögel im Freudjahr mit Freud und Berlin eine weitere Ortsgeschichte der Psychoanalyse vorgelegt, wobei die andere Pointierung im Titel die entscheidende Bedeutungsdifferenz beider Städte für Freuds Leben markiert. In dem neuen Band will Tögel »einen Eindruck vermitteln, wie sich Freuds Aufenthalte in Berlin gestalteten, welche Einstellung er zu der Stadt hatte und welche Bedeutung sie für ihn und die psychoanalytische Bewegung erlangte«.
In sieben flüssig erzählten Kapiteln begleitet der Autor Freud bei seinen Berlin-Besuchen, angefangen mit dem Aufenthalt 1886 nach der Reise zu Charcot bis zu seinen Sanatoriumsaufenthalten bei Ernst Simmel in Tegel, als er 1928-1930 bei dem Kieferorthopäden Prof. Schröder mehrfach eine Korrektur seiner Kieferprothese vornehmen ließ. Weiters werden seine Freundschaft mit dem Berliner Hals- und Nasenarzt Wilhelm Fließ, die Berliner »Familienbande« (anfangs seine Schwester Mitzi und deren Familie, später seine Söhne Ernst und Oliver mit ihren Familien), seine wissenschaftlich-freundschaftlichen Kontakte mit Karl Abraham, Max Eitingon und Hanns Sachs, seine letztmalige persönliche Teilnahme an einem Internationalen Psychoanalytischen Kongreß 1922 in Berlin sowie sein Silvesterbesuch 1926/27 im Hotel Esplanade und seine Begegnungen mit Arthur Schnitzler und Albert Einstein ausführlich geschildert. Ein Anhang bringt auf 22 Seiten eine Chronik zu Freuds Leben und Werk sowie eine Liste von Freuds Berlin-Aufenthalten. Ein Dokumentenanhang und eine Bibliographie ergänzen den Band, wobei an Angaben zur einschlägigen Forschungsliteratur etwas gespart worden ist.
Von der einleitenden Bemerkung, daß Freud in keiner anderen Stadt mit Ausnahme Wiens und Londons so viel Zeit verbracht habe wie in Berlin, schlägt sich ein bemerkenswerter Spannungsbogen zum Epilog mit der trefflich positionierten Stelle aus einem Freud-Brief an Georg Hermann von 1934, die allmählich zu dem Berlin-Klassiker wird