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Die Kapitel von Brumliks Buch werden zusammengehalten durch den Versuch, Freuds Aktualität im derzeitigen geistes- und naturwissenschaftlichen Diskurs aufzuzeigen. Der Autor möchte »die Essenz von Freuds Denken neu zur Debatte stellen« und formuliert sie als eine »neue Anthropologie« mit dem Anspruch einer universalen und überzeitlichen Gültigkeit. So ist auch seine Perspektive eine universale. Vor dem Hintergrund der Freudschen sozial- und kulturtheoretischen Schriften treten auf: die Evolutionsbiologie, die moderne Hirnforschung, die politische Theorie, die Geschichtsforschung zum Nationalsozialismus, die Erziehungswissenschaft, die Sozialphilosophie, Gender studies, die Philosophie von Platon über Rousseau bis Foucault und Butler, die Anthropologie. Es gibt einen schönen kleinen Exkurs über Freuds Differenzen mit Jung bezüglich Sexualität und okkulte Phänomene, in dem dargestellt wird, wie Jung die sexuell basierte Übertragung bzw. Verführung bei diesen Phänomenen leugnete und sie als Fakt nahm. In einem anderen Kapitel wird Freuds Haltung gegenüber Politik im allgemeinen und Kommunismus im besonderen erörtert, wobei Brumlik Freud die Rolle eines Propheten zuweist, der aus der Erfahrung des Ersten Weltkriegs die psychischen Folgen auch des zweiten für die Menschheit voraussah. Den größten Raum nehmen Brumliks Überlegungen zum »Drang, zu töten und zu sterben« ein. Hier verfolgt er, immer im Rückbezug auf die beiden Weltkriege, die Entwicklung des Trauma-Begriffs, kontrastiert zur Entstehung der Kultur aus dem Verzicht auf Triebbefriedigung, und stellt sich die Frage, ob die Zerstörungen des Holocaust individuell und kollektiv betrauerbar sind. Schließlich berichtet er über den Stand der Diskussion über die Frage der Psychoanalyse als jüdischer Wissenschaft anhand von Freuds Mann Moses und konzentriert seinen eigenen Beitrag dazu zielsicher auf das Rätsel um den jüdischen »Fortschritt in der Geistigkeit« und den christlichen »Fortschritt in Bezug auf die Wiederkehr