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Die Geschichte der vor 100 Jahren (ab ) bei C. G. Jung in Behandlung stehenden Patientin und späteren Analytikerin Sabina Spielrein scheint in besonderem Maße die Neugier und Phantasie von AutorInnen anzuregen. Das bezeugt einmal mehr das hier anzuzeigende Buch. Geschrieben hat es Bärbel Reetz, Germanistin und Anglistin, die unter anderem eine Biographie der Dadaistin Emmy Ball-Hennings verfaßt hat und auch als Herausgeberin des Briefwechsels von Emmy und Hugo Ball mit Hermann Hesse zeichnet. Eine Kennerin also vor allem der Künstler- und Intellektuellenszene der 20er und 30er Jahre, mehr mit den Ideen sozialistischer und heterodoxer Analytiker wie Wilhelm Reich und Otto Groß vertraut als mit denen Freuds, und diesen auch mehr zugetan. Außerdem eine Kennerin der russischen Literatur und Sprache.
Leider löst die Autorin die Hoffnungen, die sie durch ihren Hintergrund weckt, nicht ein. Das als »Roman« betitelte Buch (offensichtlich eine Konzession an die Erbengemeinschaft C. G. Jungs) erfüllt weder die Ansprüche eines Romans noch die einer seriösen Biographie. Vielmehr bietet es ein heterogenes Puzzle, eine Spurensuche der Ich-Autorin, die durch persönliche Gründe geleitet die Orte, an denen Spielrein gelebt und gewirkt hat, aufsucht, nach Gutdünken Recherchen unternimmt oder unterläßt, sich auch auf eine 2004 erschienene russische Spiel-rein-Biographie stützt, ohne daß sie etwas substantiell Neues daraus mitteilt, und die ihren Text unterlegt mit