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Mehrere Zeitgitter durchziehen eine talking cure, reichen sogar über deren Beendigung hinaus. Diesseits der Wirkdauer der Analyse betreffen sie die Dauer einer Kur, die Zeitpunkte des Übergangs von den Vorgesprächen zur eigentlichen Analyse, vom Sprechen im vis-à-vis zum Sprechen auf der Couch, die Sitzungsfrequenz pro Woche sowie die Dauer einer einzelnen Sitzung. Daß solche Zeitdimensionen als etwas Variables
behandelt werden können und nicht fixierte Größen sein müssen, befremdet besonders diejenigen, die aus der eigenen Analyse oder der eigenen Praxis allein die Vorgaben für eine kassenfinanzierte »analytische Psychotherapie« kennen. Obwohl Freud in »Zur Einleitung der Behandlung« erwähnt, daß er bei manchen Patienten die Analysen-»Stunde« etwas verlängere, hat erst Jacques Lacan, ab Ende der 40er Jahre, die Variabilität der Sitzungsdauer systematisch theoretisiert und praktiziert. Seine wiederholten Verstöße gegen die institutionalisierten Zeit-Standards - auch hinsichtlich der Frequenz von Lehranalyse-Sitzungen - wurde nach jahrelangen Querelen 1963 mit der Streichung aus der Liste der IPV-Lehranalytiker geahndet. Man kann sagen: indem Lacan fixierte Zeitnormen aus der Psychoanalyse nahm, führte er die Zeit in das psychoanalytische Denken ein.
Im deutschen Sprachraum gab es darüber bislang nur wenig zu lesen. Nun hat der Medizinhistoriker Nicolas Langlitz eine umfassende Studie über die Determinanten dieser technischen Modifizierungen vorgelegt. Hauptstück ist eine Exegese von Lacans Arbeiten in den 50er Jahren, vor allem des »Discours de Rome« , aber es werden auch weiter zurückliegende Ansatzpunkte aufgegriffen: Lacans Berührungen mit der Phänomenologie (Minkowski, Bergson) und mit Heidegger sowie seine Arbeit »Die logische Zeit und die Assertion der antizipierten Gewißheit«. Vielfach stützt Langlitz sich auf Materialien und Erklärungen, die er bei Roudinesco, Porge, Forrester, Facchinelli u. a. finden konnte. Mit jedem Kapitel unternimmt er einen Vorstoß