You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Das Thema »Emigration« ist für eine Zeitschrift wie LUZIFER-AMOR ein bleibender, unumgänglicher Schwerpunkt - aus zwei Gründen. Zum einen, weil die Verfolgung der Juden durch die Nationalsozialisten einen Großteil der besten Vertreter der Freud-Schule, die bis in die 1930er Jahre auf Wien, Berlin und Budapest konzentriert waren, zum Exodus zwang, so dass sich die mitteleuropäischen Traditionen der Psychoanalyse in anderen Teilen der Welt ausbreiteten, was die Geschichte des Fachs mitgeprägt hat. Dies ist der objektive, wissenschaftshistorische Grund. Hinzu kommt ein subjektiver, moralischer Grund, der in besonderem Maße für deutsche Forscher gilt: viele von ihnen empfinden eine Verpflichtung, durch Erinnerungsarbeit zur Bewältigung deutscher Schuld beizutragen - auch der zurechenbaren Schuld, die deutsche Analytiker gegenüber ihren jüdischen Kollegen auf sich geladen haben - und sich der Verluste zu vergewissern, die ihre eigene wissenschaftliche Tradition durch die Geschehnisse der Nazizeit erlitten hat. Beide Aspekte spielen in unterschiedlichem Mischungsverhältnis in den Beiträgen zum Themenschwerpunkt dieses Hefts eine Rolle. Die gründliche Arbeit an Quellen, auf der sie alle beruhen, gewinnt je nachdem, welcher Aspekt vorherrscht, eine spezifische Qualität: im einen Fall dient sie mehr den Regeln des historiographischen Metiers, im anderen der Abwehr des Vergessens.
Edith Weigert(-Vowinckel), deren Leben und Werk Maren Holmes darstellt, spielte in Washington, D.C., wohin ihr Weg sie schließlich führte, eine wissenschaftshistorisch bedeutsame Rolle. Sie war selbst keine Jüdin, sondern verließ Deutschland um ihres jüdischen Mannes willen und zog zunächst in die Türkei. In Washington trug sie durch ihre integrative Tendenz dazu bei, dass die dortige Vereinigung nicht am Konflikt zwischen der IPV-Gruppe und den Sullivan-Anhängern zerbrach. Mit seinem Beitrag über Hans Erich Haas, der als erster Analytiker in Köln praktizierte, will Ulrich Schultz-Venrath nicht zulet