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Zu den zahlreichen Freud-Biographien, die es schon gab, sind im Freud-Jahr 2006 einige hinzugekommen. Keine erhebt wissenschaftliche Ansprüche; die von Annette Meyhöfer ist die umfangreichste. Wie soll man ein solches Buch rezensieren, in dem a priori nicht viel Neues stehen kann? Man kann Fragen verfolgen wie: Ist die Erzählung sachlich richtig und wird sie dem Gegenstand gerecht? Worin besteht ihr Spezifisches, was wird besonders und was zu wenig beleuchtet? Was ist die Materialbasis? Wie wird erzählt?
Meyhöfer verfolgt das Leben und Wirken Freuds mit nahezu gleichbleibender Intensität. Ich habe kein wichtiges Ereignis vermisst. Auch die allermeisten Hauptwerke werden korrekt referiert. Vor den Vorlesungen von 1916-17 scheint die Autorin freilich kapituliert zu haben, und »Die endliche und die unendliche Analyse« von 1937, die fehlt, ist sicher bedeutsamer als manche andere Schrift, die vorkommt. Der Akzent der Darstellung liegt ganz auf Freud als Individuum und seinen menschlichen Beziehungen. Wissenschaftsgeschichtliche Zusammenhänge werden kaum aufgezeigt (und wenn, ergeben sich problematische Aussagen wie die, dass amerikanische Neurologen in den 1880er Jahren die männliche Hysterie »lieber Neurasthenie« nannten: S. 100). Freuds andauernder Einsatz für die soziale Entwicklung seines Werks, d. h. die Institutionengeschichte der Psychoanalyse, bleibt schattenhaft. So wird das Engagement für die Laienanalyse auf die Verteidigung von Theodor Reik bezogen, aber nicht auf die professionsgeschichtliche Weichenstellung, um die es dabei ging; der Zeitschriftenherausgeber und Verleger Freud kommt nicht vor.
Auch Freud dem Kliniker widmet die Autorin wenig Aufmerksamkeit, ihr Interesse gilt Freud dem Kulturheros. Am engagiertesten, originellsten wirkt sie, wenn sie Bezüge zu zeitgenössischen Literaten anführt, ob Karl Kraus oder Theodor W. Adorno. Sie bevorzugt die Frauen gegenüber den Männern um Freud: Marie Bonaparte wird ausgiebig behandelt, Max Eitingon kaum, und die j