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1953 löste Ernest Jones im 1. Band seiner Freud-Biographie das Pseudonym der Fallgeschichte »Anna O.« auf: es handelte sich um Bertha Pappenheim, »eine der ersten [Frauen] der Welt«, die sich der Sozialarbeit widmeten. Der Rezensent der deutsch-jüdischen Emigrantenzeitung Aufbau in New York bemerkte sofort die wissenschaftliche Bedeutung dieser Identifizierung. Wohl zum ersten Mal sei es jetzt möglich, eine »tiefenpsychologische Biographie zu präsentieren, eine Biographie, die unter Benutzung alles nun zur Verfügung stehenden Materials hoffentlich bald und ausführlich eine neue und bessere Einsicht in die Höhen und Tiefen menschlicher Entwicklung geben wird«. Pappenheims Verwandte und Schülerinnen waren entsetzt. Weit schlimmer noch als der Bruch der ärztlichen Schweigepflicht sei der von Jones erweckte Eindruck, »dass sie [B. P.] nie gesundete und ihre Sozialtätigkeit und selbst ihre Frömmigkeit nur eine andere Entwicklungsphase ihrer Krankheit waren«. Indem Britta Konz diese seinerzeit ebenfalls im Aufbau erschienene Kritik nicht als Zitat kennzeichnet, sondern wörtlich als eigene Einschätzung präsentiert (S. 20), markiert sie so symptomatisch wie programmatisch die Stellung ihres Buches im jahrzehntelangen Anna O./Bertha Pappenheim-Diskurs.
Die vorliegende Dissertation der evangelischen Religionswissenschaftlerin Konz ist - wie aus Tageszeitungen, etwa der Frankfurter Rundschau zu erfahren war - mit dem Hanna-Jursch-Preis ausgezeichnet worden. Und zwar als »ein gelungenes Gesamtbild der verschiedenen Aspekte, die die Persönlichkeit Bertha Pappenheims ausmachten«; »die methodische Vielfalt und Präzision dieser Arbeit sei besonders überzeugend gewesen«. Gerechterweise muss die Geehrte jedoch gegen ihre Laudatoren in Schutz genommen werden. Ihre Studie will, bescheidener, eine »Forschungslücke« schließen (S. 10): sie rekonstruiert Pappenheims Lebenswerk im Kontext der Geschichte der deutschen Frauenbewegung sowie der deutsch-jüdischen Historiographie als religiös beg