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Berliner Stadtführer über bestimmte Themen sind beinahe inflationär. Man kann die Häuser der Schriftsteller betrachten, die Wege der Künstler erwandern, die Architektur von der Weimarer (und davor) bis zur Bonner Republik studieren - und jetzt gibt es auch einen Psycho-Stadtführer für die Zeit von 1900 bis 1933, ein Büchlein in Pocket-Format mit Stadtplan. 33 Persönlichkeiten werden in Peter Vogelsängers Psychopolis Berlin mit Adressen vorgestellt, außerdem vier Institutionen: das Psychologische Institut der Friedrich-Wilhelm-Universität, die II. Medizinische Klinik der Charité, das Berliner Psychoanalytische Institut und das Sanatorium Schloss Tegel. Zu den Personen, die in Kurzporträts beschrieben werden, gehört auch Alfred Döblin, Nervenarzt und Schriftsteller, einer der bekanntesten Söhne der Stadt. Aber nicht die Biographien, die im wesentlichen aus gedrucktem Material kompiliert sind, haben Neuheitswert, sondern die Orte, an denen die behandelten Personen teilweise gewohnt und gewirkt haben. Hier konnte Vogelsänger nicht zuletzt auf die Orts-Recherchen von Regine Lockot für die Psychoanalytiker zurückgreifen.
Aufgrund der eigenen Interessen des Autors liegt der Schwerpunkt der Darstellungen bei der Psychoanalyse - allein 16 Personen waren Mitglieder der alten Deutschen Psychoanalytischen Gesellschaft. Diese Gewichtung ist schwer nachvollziehbar. Zwar werden einzelne Psychiater und Neurologen sowie die Berliner Gestaltpsychologen Köhler, Wertheimer und Lewin verortet, doch die Individualpsychologen (Fritz Künkel, Manès Sperber u. a.) fehlen zur Gänze. Und wenn man von der »Psychopolis Berlin« spricht, sollten auch die Körpertherapeuten (Elsa Gindler und ihre SchülerInnen) und Sexualwissenschaftler (hier ist nur Magnus Hirschfeld mit einem Porträt bedacht) und vor allem der für Berlin so wichtige Psychotherapeut Arthur Kronfeld oder der nicht weniger bekannte Otto Gross behandelt werden. Vogelsängers »Psychopolis« ist im Übrigen männlich. Frauenbiographien finden