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Die umfangreiche Psychiatriegeschichte, die der Bonner Medizinhistoriker Heinz Schott und der Münsteraner Emeritus für Psychiatrie Rainer Tölle vorgelegt haben, verbindet erstmals »Geschichte und Aktualität der Psychiatrie«. Dieses Novum, begründet im »hermeneutischen Ansatz« und der »multidimensionalen« Sicht der Autoren, bedeutet einen erheblichen Fortschritt gegenüber bisherigen Ansätzen, die einseitig biologische, psychotherapeutische und -analytische Verfahrensweisen perspektivbildend werden ließen. Auch heben Schott und Tölle in seltener Weise das Verdienst hervor, das sich die antipsychiatrische Bewegung neben der Sozialpsychiatrie um eine verbesserte Krankenbehandlung erworben hat. Zugleich beschreiben sie die medizin- und kulturhistorischen Hintergründe der modernen Psychiatrie, wobei sie deren Genese betont nicht als »Fortschrittsgeschichte« erzählen wollen. Entsprechend ihrer historischen und klinischen Ausrichtung werden die einzelnen Kapitel einmal nach den Gesichtspunkten »Historische Voraussetzungen« und »Moderne Begründungen, Entwicklungen und Irrwege« gegliedert; zum anderen wird der immense Stoff entlang den klinisch orientierten Kategorien »Krankenversorgung«, »Krankheiten« und »Behandlung« geordnet. Durch die übersichtliche Gestaltung wird die Schwierigkeit einer doppelten Autorschaft gemeistert und den Lesern die Möglichkeit gegeben, über die ausführlichen Register hinaus die rund 50 Einzelkapitel, deren thematischer Verlauf eingangs jeweils kurz skizziert wird, selektiv nach eigener Interessenlage zu lesen.
Der selbstkritische Hinweis, oftmals nur »zusammenfassend referiert« zu haben und nicht »auf weitere Einzelheiten eingehen« zu können, verweist auf unvermeidliche Unausgewogenheiten und das Dilemma des Anspruchs, in der umfangreichen Zusammenschau alles historisch und klinisch Relevante bieten zu wollen. Maßstabsetzend sind etwa detailreiche Kapitel, die die Geschichte der vor-Freudschen Psychotherapie von Mesmer bis zu Charcot und Bernheim e