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Und immer lockt der Trieb. Sogenannte Sittlichkeitsverbrechen nehmen die kollektive Phantasie moderner Gesellschaften seit jeher stark in Anspruch, und nichts sorgt verlässlicher für hohe Auflage und Quote in den Massenmedien als die Verbindung von Sex and Crime. Dabei tut sich im Fall von sexuell motivierten Serienmorden ein evidenter Widerspruch auf: Die enorme Vielfalt und Intensität der medialen Wahrnehmung und Verarbeitung sexuell motivierter Serienmorde entspricht in keiner Weise deren geringer krimininalstatistischer Relevanz, d. h. ihrem vergleichsweise seltenen Vorkommen, wie die Historikerin Kerstin Brückweh in ihrer lesenswerten Studie über Gewalttaten und Gewalterfahrungen im 20. Jahrhundert zu zeigen vermag.
Am Beispiel von vier mehr oder minder prominenten Fällen - den Serienmördern Friedrich Haarmann (1879-1925), Adolf Seefeld (1870-1936), Jürgen Bartsch (1946-1976) und Erwin Hagedorn (1952-1972) -, die zugleich für vier verschiedene politische Systeme (Weimarer Republik, Nationalsozialismus, Bundesrepublik und DDR) stehen, illustriert die Autorin das Verhältnis von Gewalt und Emotionen, die sich ihrer Auffassung gemäß wechselseitig bedingen. Beide sind Grundbestandteile gängiger sozialer und kultureller Praxis und »machen« so »Geschichte(n)«. Damit knüpft Brückweh an ein historiographisches Konzept an, wie es etwa die Historiker Alf Lüdtke, Thomas Lindenberger und Ute Frevert in ihren Untersuchungen über Gewalt und Emotionen als geschichtswirksame Gestaltungsfaktoren formuliert haben. In dieser Perspektive korrespondiert die Mordlust der Serientäter jener der Gesellschaft, die sich von der Gewalt der als Außenseiter stigmatisierten Täter mit Lust vereinnahmen lässt. Im unmittelbaren Nahbereich von Tätern und Opfern dominieren Hass und Abscheu sowie die Neigung, den Blick gegen die »gewöhnliche Gewalt«, etwa sexuellen Kindesmissbrauch, zu verschließen,