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Als im August 2004 in Wien gleich viermal sein 90. Geburtstag gefeiert wurde, konnte Ernst Federn auf ein schwieriges und zugleich überaus produktives Leben zurückblicken. Im Kreis seiner Freunde und Schüler wurden noch einmal die wichtigsten Stationen seines Wirkens in Erinnerung gerufen. Am 24. Juni 2007 ist er nun gestorben, zwei Jahre nach seiner Lebenspartnerin Hilde, mit der er 72 Jahre zusammen gewesen war. Ich möchte an diesen so tapferen wie gütigen Menschen erinnern.
Als Sohn des langjährigen geschäftsführenden Obmanns der Wiener Psychoanalytischen Vereinigung, Paul Federn, wuchs er im unmittelbaren Umfeld Sigmund Freuds auf. Im liberalen väterlichen Haus verkehrte ein Großteil der Wiener Psychoanalytiker, die Ernst Federn von Kindheit an kannte und die ihn prägten. Auch begegnete er dort manchen sehr kranken Patienten, die sein Vater - z. T. in Zusammenarbeit mit Gertrud Boller-Schwing - im Sinn einer psychoanalytischen Milieutherapie behandelte (vgl. Kaufhold 2001, S. 92).
Der am 26. August 1914 in Wien geborene Ernst Federn wuchs sehr behütet auf. Er erinnerte sich eines großen emotionalen Schutzes, vieler anregender Gespräche über gesellschaftliche, politische, psychoanalytische und pädagogische Themen, idealisierter Gesprächspartner wie August Aichhorn, Siegfried Bernfeld, Mihaly Biro und Therese Schlesinger. Angeregt durch die Lektüre von Victor Hugos Roman Die Elenden, interessierte er sich für die sozialen Ursachen kriminellen Verhaltens. Auch war Paul Federn der erste Analytiker gewesen, der während des Ersten Weltkriegs in einem Gefängnis gearbeitet hatte. Sein Sohn Ernst wusste schon mit 14 Jahren, was er einmal werden wollte: ein Erzieher wie Aichhorn, der »jungen Menschen half, die in Not waren« (Federn 1999, S. 326). Er verfügte sehr früh über die Gabe des Helfens und Tröstens, die er auch seiner Umwelt zuwandte. Bereits als Zweijähriger soll er, so wurde in der Familie erzählt, seinen Großvater rührend getröstet haben, als die Großmutter starb