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Margarethe Hilferding-Hönigsberg gehörte bisher zu jenen frühen Mitgliedern der Wiener Psychoanalytischen Vereinigung, über die nur wenig und oft Fehlerhaftes bekannt war. Allerdings hatte sie unter diesen immer schon eine Sonderstellung, war sie doch die erste Frau, die - nicht ohne Widerstand - im April 1910 zum Mitglied gewählt wurde. Nun hat die Wiener Psychoanalytikerin und Historikerin Eveline List in einer groß angelegten und sorgfältig
dokumentierten Arbeit ihre Lebensgeschichte beschrieben, die geprägt war durch die zentralen Konflikte des 20. Jahrhunderts - die soziale oder »Klassenfrage«, die »Frauen-« und die »Judenfrage«.
Geboren wurde Margarethe Hönigsberg 1871 in Wien. Ihr Vater war Arzt, ihre Mutter entstammte jenem jüdischen Großbürgertum, von dem das politische und kulturelle Leben Wiens in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts entscheidend mitbestimmt wurde. List schildert zu Beginn kenntnisreich den Einfluss, den die Herkunft und politische Einstellung der Eltern - der Vater hatte sich in einem Arbeiterbezirk niedergelassen und arbeitete im Sommer als Kurarzt, die Mutter engagierte sich in der Frauenbewegung - auf das Leben ihrer Tochter hatten. Margarethe besuchte, da dies zunächst der einzige für Frauen mögliche höhere Bildungsweg war, eine Lehrerinnenbildungsanstalt, veröffentlichte Erzählungen und Lyrik und beteiligte sich an der sozialistischen Frauenbewegung. Als sich dann die Universität für sie öffnete, war sie die erste Frau in Österreich, die 1903 das Medizinstudium abschloss.
Während der Studienzeit hatte sie ihren späteren Ehemann, den Mediziner und austromarxistischen Ökonomen Rudolf Hilferding, kennengelernt, der in der Weimarer Republik Finanzminister wurde. Sie heirateten 1904, 1905 und 1908 kamen zwei Söhne zur Welt. Nachdem die Familie einige Zeit in Berlin gelebt hatte, kehrte Margarethe Hilferding-Hönigsberg allein mit den Kindern nach Wien zurück, wo sie in einem Arbeiterbezirk eine Kassenpraxis eröffnete. Die Ehe wurde 192