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Sprich, Erinnerung, sprich! Dieser Imperativ von Vladimir Nabokov könnte als Motto der Erinnerungsarbeit von Henri Parens, dem renommierten amerikanischen Psychoanalytiker und Kinderpsychiater, gelten, die er im Alter von 73 Jahren beginnt, um als Überlebender des Holocaust Zeugnis abzulegen. Erst jetzt, 60 Jahre nach den erlittenen Traumata, wagt er sich an den schmerzvollen Versuch, das Geschehene und dessen Folgen für sich selbst und seine Angehörigen zu verstehen und aufzuschreiben. Er ist angetrieben von der »Unruhe der Erinnerung« an das Grauen, das es durch Erinnerung zu bannen gilt, und weiß doch: es gibt kein Ende, der Holocaust bleibt immer gegenwärtig.
Darstellungen des Holocaust aus jüdischer Perspektive, die auch einzelne Schicksale einbeziehen, haben seit den 1990er Jahren massiv zugenommen. Die allermeisten Erinnerungen Überlebender, die als Kinder Flucht, Vertreibung und Internierung erlebt haben (z.B. Saul Friedländer, Peter Gay, Raul Hilberg, Anna Ornstein u.a.), wurden erst in großem zeitlichem Abstand zum Erlebten niedergeschrieben - warum? Für sich nennt Parens als Gründe die Vermeidung von Schmerz (für Erzähler und Zuhörer), Überlebensschuld und Scham (bezüglich Eltern und Bruder). Martin Wangh merkte 1996 an (S. 116): »Der Wunsch, zu verleugnen und dadurch eine traumatische Last abzuschütteln, findet sich nicht nur bei den Tätern, sondern auch bei den Opfern.«
In einer Art Selbstanalyse bringt das Schreiben für Parens Stress, Schmerz und Wut, aber auch die rückschauende Erkenntnis, »dass meine Erfahrung des Holocaust bestimmend und leitend geworden ist für meine Lebensarbeit« (S. 13). Indem er es sich zur Aufgabe machte, als Arzt Kindern (und Erwachsenen) beim Ertragen und Bewältigen von Schmerzen zu helfen, als Lehrer andere Ärzte zu solcher Hilfe zu befähigen und als Forscher nach Wegen zur Vermeidung von menschengeschaffenen Traumata zu suchen, hat er sich dafür entschieden, daran mitzuarbeiten, die Wiederkehr der feindselig-destruktiven