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»Ellen West« (der Name ist ein Pseudonym), deren Krankengeschichte Ludwig Binswanger 1944-45 veröffentlicht hat, erweckt ein besonderes professionelles und menschliches Interesse, weil drei bis heute bekannte Psychotherapeuten sie nicht vor dem Selbstmord (am 4. April 1921) bewahren konnten. Albrecht Hirschmüller hat 2002 in einem der Daseinsanalyse gewidmeten Heft von LUZIFER-AMOR sowie 2003 in einem Tagungsband die Binswanger'-sche Publikation mit Hilfe von Originaldokumenten erörtert. Nun erscheint ein Nachfolgeband mit einer breiten Auswahl ebendieser Dokumente. Kaum ein Fall in der mittlerweile mehr als hundert Jahre alten Psychotherapiegeschichte wurde von so verschiedenen Seiten her beschrieben - was eine kritische Würdigung sowohl der Diagnose als auch ethischer und therapeutischer Fragestellungen ermöglicht. Hierfür gebührt den Herausgebern wie dem Verlag Dank.
In den von Ellen West verfassten Gedichten und Prosatexten kommt von Anfang an die Todes- sowie (etwas leiser) die Erlösungssehnsucht zur Sprache. Beides ist weithin erotisch gefärbt und an literarische Muster angelehnt: »O komm, Du finsterer, kalter / Meerkönig, komm zu mir, / Drück mich in Deine Arme / In heißer Liebesgier« (S. 17). Deutlich wird auch schon früh der Wunsch der Autorin nach Ruhm als Lebenssinn (S. 21) - der sich durch die Veröffentlichung Binswangers und die Untersuchungen der letzten Jahre ja erfüllt hat. Die von ihr selbst so genannte »fixe Idee« des Nicht-Essens ist ihr immer wieder eine schwere Last, von der sie »Befreiung« sucht (S. 34).
Ihrer Freundin Emma schildert Ellen West ziemlich genau ein Jahr vor ihrem Suizid differenziert ihre biographische Situation: »Die Analyse ist etwas verflucht Schweres. Irgendetwas in mir - Gebsattel nennt es das Unbewusste - widersetzt sich, türmt ungeheure Schwierigkeiten auf, so dass ich nicht weiterkomme. Die Erkenntnis ist so leicht; die Fähigkeit aber, sein Leben und die Einstellung zur Umwelt tatsächlich zu ändern, die scheint mir unerreic