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Um dieses Buch kann man die Jung-Schule beneiden. Thomas B. Kirsch legt eine umfassende Darstellung ihrer Entwicklung vor, konzentriert auf Organisationsgeschichte und biographische Skizzen der wichtigsten Protagonisten in aller Welt, von Zürich 1916 bis Fernost heute. Als Sohn eines namhaften Jungianers, der 1933 als Jude Berlin verließ, sowie langjähriger Präsident der International Association for Analytical Psychology ist er für die Aufgabe besonders prädestiniert. Er vermag mit ruhig abwägender Fairness auch über Konflikte und Konflikthaftes zu schreiben, sein Detailwissen ist profund, er kennt viele Akteure persönlich, und sein Blick reicht erfreulicherweise über die Grenzen der eigenen Gruppe hinaus.
Aus freudianischer Perspektive ist ein Vergleich mit der Organisationsgeschichte der Psychoanalyse spannend. Es fällt ins Auge, wie relativ spät sich die Jungianer feste Strukturen schufen: das erste Ausbildungsinstitut (in Zürich) wurde 1948, der internationale Dachverband 1955 gegründet. Jung'-scher Analytiker wurde man über Jahrzehnte durch Analyse bei einem oder einer anerkannten Meisterin, am besten bei Jung selbst oder seiner Nebenfrau Toni Wolff. Viel mehr als Freud hat Jung seine Analysanden als Missionare seiner Lehre herangezogen. Ob sich diese personalisierte Struktur von der als autokratisch verschrienen, tatsächlich aber von früh an durch Regeln und Verfahren demokratisierten Organisationsform der Freudianer positiv abhebt, erscheint fraglich.
Typisch für die Jungianer war die Einrichtung Psychologischer Clubs - Foren des wissenschaftlichen Austauschs, in denen Therapeuten und andere Interessenten zusammenkamen, ähnlich der Wiener Psychoanalytischen Vereinigung vor 1914. Je mehr sich die Jung-Schule dem Professionalisierungsdruck im psychotherapeutischen Feld beugen musste, desto mehr sonderten sich die Therapeuten von den Nicht-Therapeuten ab; die Clubs verloren an Bedeutung. Nicht-Ärzte spielten bei den Jungianern von jeher eine größere Rolle als bei