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Die Tübinger Dissertation von Martin Priwitzer hebt einen psychiatriehistorischen Schatz. Der persönliche und wissenschaftliche Nachlass Ernst Kretschmers, der bislang im familiären Archiv verborgen war, lässt vor allem im umfangreichen Briefkorpus wesentliche Konturen von dessen Familiengeschichte und akademischem Werdegang erkennen. Allerdings erlag der enthusiastische Goldgräber der Versuchung, der ungeheuren Materialfülle allzu viel Raum zu geben. Man vermisst gerade im lebensgeschichtlichen Teil, der rund ein Drittel des Buchs einnimmt und die akademische Karriere Kretschmers bis 1920 nachvollzieht, über dem Referat der Quellen eine entschlossene Auswertung. Manche Informationen hätten durchaus in die Fußnoten oder den dokumentarischen Anhang verbannt werden können. Dieser enthält neben der Personalbibliographie, die auch alle Rezensionen bis 1920 anführt, zwei Perlen: zum einen das Protokoll von Kretschmers Exploration des »Hauptlehrers Wagner«, mit dem sein Lehrer Robert Gaupp 1913 die verstehende Psychologie im Bereich möglicher Psychosen