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Es ist eine ungewöhnliche Aufgabe, eine Rezension über einen Krimi zu schreiben! Man merkt sehr schnell, dass Bücher dieses Genres in erster Linie zum Genießen da sind und weniger, um sie ausführlich zu diskutieren. Beim Lesen können verschiedene intellektuelle Geschmacksnerven angesprochen werden: Der eine mag die sogenannten »psychologisch raffinierten« Krimis, andere ziehen Thriller vor oder goutieren pragmatisches Whodunnit. Bei dem hier zu besprechenden Buch kommt jedenfalls der Kenner der Psychoanalysegeschichte auf seine Kosten: Jed Rubenfeld hat für Morddeutung seriös recherchiert und eine kluge Collage aus Brief- und anderen Textstellen angefertigt, die es über Freuds Reise nach Amerika im Jahr 1909, über seine Auseinandersetzung mit C. G. Jung und die Anfänge der amerikanischen Psychoanalyse gibt. Die Chronologie hat er zwar dem Ablauf seiner (erfundenen) Geschichte untergeordnet und beispielsweise einige spätere Ereignisse zwischen Freud und Jung vorgezogen und in die New Yorker Zeit verlegt. Dafür aber hält er sich inhaltlich an die historische Vorlage - mit Pointen, die im tatsächlichen Gang der Ereignisse weniger prägnant sind. Nebenbei bemerkt ist hier schön zu beobachten, dass jede Erzählung immer schon eine subjektive Interpretation darstellt, da Rubenfeld seine erzählerische Freiheit genüsslich nutzt, um Jung, Jones oder Brill in ein wenig vorteilhaftes Licht zu rücken und am Rande auch seine eigene (nicht uninteressante) Meinung zum Ödipuskomplex unterzubringen.
Obwohl Rubenfeld Freud, Ferenczi und Jung in dunkle Machenschaften verstrickt - eine junge Frau wird auf sadistische Weise ermordet, als Freud und seine Begleiter New York erreichen, und eine nervenärztliche Intrige auf höchster universitärer Ebene versucht, dessen Vorlesungen an der Clark University zu hintertreiben -, bleibt die Figur Freuds erfreulich integer und wird vom Autor mit großem Respekt behandelt. Das ist umso bemerkenswerter, als Rubenfeld keineswegs »vom Fach« ist, sondern an