You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Alles historische Wissen ist gebunden an überlieferte Zeugnisse der Vergangenheit. Deshalb birgt jeder neu erschlossene Nachlass das Versprechen, dass durch ihn größere oder kleinere Areale der Geschichte, die bisher dunkel waren, ausgeleuchtet werden. So war es ein Meilenstein der psychoanalysehistorischen Arbeit, als in den 1980er Jahren in London der Nachlass von Ernest Jones bekannt wurde. Man muss kein Prophet sein, um vorauszusagen, dass die Papiere von Max Eitingon, die zunächst verschollen schienen, dann aber auf einmal da waren und seit Kurzem in den Israel State Archives (Jerusalem) in eingescannter Form zugänglich sind, einen vergleichbaren Fortschritt der Forschung bringen werden. Es stecken darin viele virtuelle Erzählungen - Bücher, große Aufsätze, Miszellen. Eine Ahnung von der Fülle und vom Spektrum dieser Möglichkeiten können die Beiträge zum Themenschwerpunkt des vorliegenden Hefts vermitteln. Ihre Niederschrift wurde durch die Redaktion von LUZIFER-AMOR angeregt. Vielleicht werden sie andere Autoren ermuntern, in dem Material ihrerseits auf Entdeckungsreise zu gehen.
Niemand war in der Geschichte der Psychoanalyse so zentral mit Fragen der Ausbildung befasst wie Eitingon. Zu dem einschlägigen Material, das in seinem Nachlass erhalten ist, gehört ein Manuskript von Helene Deutsch über Probleme der »Kontrollanalyse« (Supervision). Claus-Dieter Rath stellt diesen im deutschen Original bisher unbekannten Text vor, der wenig von seiner Aktualität verloren hat, und schickt ihm eine sorgfältige Studie zur Entwicklung der Einrichtung der »Kontrollanalyse« von ca. 1920 bis 1938 voraus. Er verfolgt deren allmähliche Institutionalisierung, die wechselnde Akzentsetzung von Anleitung, Patientenschutz oder Überwachung und besonders die unterschiedliche Konzeptualisierung als technische Unterweisung oder analytische Aufklärung des angehenden Analytikers über sich selbst, womit jeweils eine unterschiedliche Zuweisung der Kontroll-Aufgabe an einen anderen Analytik