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Der Ausbruch der schweren psychischen Erkrankung, die das Leben des Kunsthistorikers Aby Warburg vom November 1918 bis zum August 1924 bestimmte, fiel mit dem Ende des Ersten Weltkriegs nicht nur äußerlich zusammen. »Der Krieg erregte Warburg maßlos«, schreibt sein Hausarzt Heinrich Embden in seiner Anamnese vom 19. Mai 1921 (S. 262) und berichtet, Warburg, der »in seinem hohen und reinen patriotischen Empfinden« nach der Marneschlacht die deutsche Niederlage zu ahnen begann, habe erwogen, als Dolmetscher ins Feld zu gehen, sich mit Feldstiefeln und Gamaschen versehen und Reitunterricht genommen. Der Kriegseintritt Italiens, das für den Renaissanceforscher Teil seiner geistigen Heimat gewesen sein muss, auf Seiten der Entente trug seit 1915 zu seiner Erregung bei. Zwischen der deutschen Kapitulation und der Novemberrevolution fand Warburgs Selbstmordversuch statt: »Vor der Katastrophe, die von der des Vaterlandes ausgelöst wurde, war er soweit gekommen, daß er sich für einen Werwolf hielt. Er glaubte, drohendem Unheil nur durch Tötung seiner Familie und Selbstmord entgehen zu können, ergriff einen Revolver, wurde leicht entwaffnet und Anfang Nov. 1918 in die Klinik von Dr. Lienau überführt« (S. 262).
Aus der Hamburger Privatklinik Arnold Lienaus, der nach der Einlieferung notierte, der Patient rede fortwährend von seiner Bedrohung durch Engländer, Franzosen und auch Bolschewiken (»Sind sie schon da, um mich abzuholen?«: S. 214), wurde Warburg im Juli 1919 »ungeheilt, aber etwas gebessert« entlassen (S. 220). Im Oktober 1920 sorgte Embden für eine neuerliche stationäre Behandlung, diesmal in der Psychiatrischen Klinik der Universität Jena, bei dem Neurologen und Psychiater Hans Berger. Im April 1921 schließlich kam Warburg in das von Ludwig Binswanger geleitetet Privatsanatorium Bellevue nach Kreuzlingen auf der Schweizer Seite des Bodensees. Die zitierte Anamnese des Hausarztes ist aus diesem Anlass entstanden. Im Bellevue blieb Warburg über drei Jahre. Seine Kranken