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Eine Tagung, die sich einem einzigen Brief und dessen Wirkungsgeschichte widmet, setzt sich einen wohltuend konkreten und vielversprechenden Ausgangspunkt. Dies taten fünf Bremer Psychologen, als sie 2006 Freuds Brief vom 6. Dezember 1896 an seinen damaligen Intimus, den Berliner Hals- und Nasen-Arzt Wilhelm Fließ in Berlin, zum Gegenstand eines Treffens von Praktikern, Theoretikern und Historikern der Psychoanalyse machten. Der Tagungsband liegt jetzt vor, gut ediert und durch einen Wiederabdruck des Briefs ergänzt.
Berühmt ist dieser Brief, weil Freud hier seine Annahme eines aus verschiedenen »Niederschriften« bestehenden und in seiner Geschichte mehrere »Umordnungen« und »Umschriften« erfahrenden psychischen Mechanismus vorträgt und erstmals das Sich-Ausschließen von Bewusstsein und Gedächtnis konstatiert. Es findet sich darin die Skizze des Gedächtnisapparats, mit den »Wahrnehmungszeichen« und dahinterliegenden Schichten, an die sich Überlegungen zur Verdrängung anschließen, um deren theoretische Fassung Freud damals so intensiv ringt. Die Nachträglichkeit und das Sexuelle leiten schließlich über zu dem, was in der Regel als zweiter Teil des Briefs bezeichnet und von den Autoren unterschiedlich eng mit dem ersten verknüpft gelesen wird: Freuds Aufnahme von Fließ' sexuell gepolter Periodenlehre, die ihm damals die ersehnte »Organgrundlage« für seine Theoriebildung liefern soll. Der Text ist gespickt mit Formulierungen, die ihn als Knotenpunkt der Anfänge der Psychoanalyse ausweisen - auch die »Fueros« und der »erste unvergeßliche Andere« finden sich hier. »Todmüde und geistig frisch«, zeigt Freud sich als brillanter Stilist.
Der Band schenkt verdienstlicherweise dem Medium des Briefs besondere Aufmerksamkeit. Frank Dirkopf beschäftigt sich mit der hier erkennbaren Schreib- und Publikationspolitik Freuds; sein weitgefasster Politikbegriff überrascht dabei und setzt vielleicht zu sehr auf den Begriff des Willens. Gleich mehrere Beiträge wenden sich der herausfordern