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War 2006 das Jahr Sigmund Freuds, so steht nächstes Jahr die 200. Wiederkehr der Geburt von Charles Darwin bevor. Adam Phillips widmet jedem der beiden großen Kränker der Menschheit einen Essay und bezieht sie in einem ausführlichen Vorwort und in einem Epilog aufeinander. Das Ergebnis dieser Zusammenschau ist ebenso lesenswert wie anregend und vor dem Hintergrund der erstarkenden Bewegung der amerikanischen Kreationisten, die sich anschicken, die Deutungsmacht über das menschliche Selbstverständnis zurückzuerobern, auch von einiger Aktualität.
Dass wir uns nicht göttlicher Abkunft verdanken, sondern, wie jeder Organismus, das Ergebnis von Zufall und planloser Unordnung sind, ist Darwins Angriff auf die Hybris unserer Gattung. Auch in Freuds Denken spielen die Kontingenzen der menschlichen Existenz eine große Rolle, etwa wenn er die Ungerichtetheit der Libido betont und damit der Versuchung widersteht, ihr ein teleologisches Potenzial zu unterstellen. Das Ich sei nicht Herr im eigenen Haus, konzediert er, aber nicht etwa weil wir einer höheren Schicksalsmacht oder einem göttlichen Plan unterliegen, sondern weil wir als Subjekte im Balanceakt zwischen Wunsch und Realität über den Abgründen unseres Unbewussten historisch Gewordene sind, in deren konkrete (psychische) Gestalt sich dieser konflikthafte Prozess der Hervorbringung eingeschrieben hat.
In der »Macht der Zufälligkeiten unseres Lebens, unserer Wünsche und unserer Kindheit wie auch unserer Möglichkeiten« (S. 83) sieht Phillips die direkte Geistesverwandtschaft zwischen Freud und Darwin, und doch zeigt sich