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Man muss nicht mit allen Schlussfolgerungen dieses Buches einverstanden sein, um von ihm zu profitieren. Wolfgang Wiedemann hat eine Arbeit über Bions Leben und Werk vorgelegt, die neuen oder bisher unsystematischen Bion-Lesern eine Orientierung bietet, für die sie ihm dankbar sein werden. Bei der Fährtensuche und Zielfindung hat er sich von seiner eigenen theologischen Ausbildung und seiner Tätigkeit als Seelsorger und Psychoanalytiker leiten lassen: Im Zentrum steht Bions Mystik der Psychoanalyse. Das ist eine Schwerpunktsetzung, die einen schillernden Bereich im Werk des englischen Analytikers beleuchtet und heraushebt. Eine Gefahr mag dabei sein, dass man geblendet wird und andere Bereiche aus dem Blick verliert, den der Mathematik in Bions Raster-Konzept zum Beispiel, der es ebenfalls verdiente, herausgearbeitet zu werden. Zu diesem Konzept allerdings gibt Wiedemann einige so einfache und kluge Erklärungen, dass für manchen zum ersten Mal der Sinn des Vorhabens, die Phänomene der psychoanalytischen Situation in Formeln zu fassen und in einem Raster zu verorten, deutlich werden mag.
Eine weitere kritische Bemerkung sei zum ersten Teil des Buches erlaubt, der Bions Leben behandelt: Wiedemann hält sich in diesem umfangreichsten Drittel seiner Arbeit ausschließlich an ein schmales Korpus von veröffentlichtem Material, was für einen an psychoanalysehistorischer Forschung interessierten Leser unbefriedigend ist. Das Material besteht einerseits aus den von Bion selbst oder postum von seiner Witwe publizierten Selbstzeugnissen, die bislang nicht ins Deutsche übersetzt sind. Darüber hinaus wird vor allem die Bion-Biographie und -Werkschau von Gérard Bléandonu reichlich verwendet. In Wiedemanns Kommentaren zu ausgewählten Stellen aus den autobiographischen Schriften meint man zu spüren, wie er sich über Bions quälende und selbstverdammende Beschäftigung mit den eigenen Fehlern und Schwächen verwundert, als würde Bion nicht damit zeigen, dass wir alle diese Schäden in uns