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Dieses Buch verdient eine Besprechung in LUZIFER-AMOR. Denn es beschäftigt sich u. a. mit der historischen Entwicklung der professionellen Seelsorge und ihrer Konzepte im deutschsprachigen Raum, die eng mit der Psychoanalyse verwoben ist. Und es zeigt die Qualität, mit der sich die gegenwärtige evangelische Pastoralpsychologie an dieser Schnittstelle der Disziplinen bewegt.
Im Freud-Jubiläumsjahr 2006 veranstalteten Morgenthaler und Noth an der Universität Bern eine Tagung über »Die Anfänge der theologischen Rezeption der Psychoanalyse in der Schweiz«. Oskar Pfister mit seinem 50. Todestag im selben Jahr war der Kristallisationspunkt. Er ist auch heute von Bedeutung, weil er als Gründervater der analytischen Seelsorge eine eminente historische Referenz- und Identifikationsfigur abgibt - in den USA wird von der American Psychiatric Association ein renommierter Oskar Pfister Award für hervorragende Arbeiten in der Religionspsychologie vergeben - und weil er, von der Psychoanalyse aus gesehen, einer der ersten wahrhaft interdisziplinär Tätigen war, der die doppelte Orientierung als Analytiker und Theologe produktiv beibehielt. An ihm lassen sich exemplarisch die Chancen und Risiken dessen studieren, der mit einem Bein in seinem angestammten Fachgebiet und mit dem zweiten in der Psychoanalyse steht. Die Chancen liegen darin, dass er etwas Neues entwickelt, die Risiken darin, dass ihm von beiden Seiten angekreidet wird, er sei weder hier noch dort richtig zu Hause.
Eckart Nase - bekannt durch seine Monografie über Pfister von 1993 - behandelt die Anfänge der analytischen Seelsorge in den Jahren 1908-1912. Er geht von einem Fallbericht Pfisters aus und diskutiert aus heutiger Sicht die Spezifika von dessen Ansatz. Interessant ist eine Fülle historischer Anmerkungen,