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Der kubistische Neubau des Collegium Hungaricum Berlin (CHB) war im November 2008 Veranstaltungsort des ersten Teils einer Tagungsreihe mit dem Thema »Psychoanalyse hinter dem Eisernen Vorhang«. Es ging um den Einfluss der Diktatur auf die Ausübung und Tradierung der Psychoanalyse, diesmal in Ungarn und der DDR. Die wissenschaftliche Leitung der Veranstaltung hatten Franziska Henningsen und Ludger M. Hermanns, beide Psychoanalytiker der DPV, und Ferenc Erös, Professor für Sozialpsychologie in Pécs. Einer der Organisatoren der Veranstaltung, János Togay, eröffnete in seiner Funktion als Direktor des CHB den ersten Abend mit den Worten: »1983 hatte ich einen Traum!«, und ließ eine träumerische Parabel auf das ungarische Gefühl von Zerrissenheit zwischen tödlicher Bedrohung und Freiheitslust in den Jahren der Diktatur folgen.
Die ungarische Außenministerin Kinga Göncz, Schirmherrin der Tagung und selbst Psychiaterin und Psychoanalytikerin, erzählte in ihrem ausführlichen Geleitwort von der Kreativität und dem Witz, deren es bedurfte, um in der Sowjetzeit die Grenzen des Erlaubten auszuloten und auszuweiten. Die Psychiatrie sei im sowjetischen Ungarn eine »Werkstätte der Demokratie« und ein Freiraum gewesen, da keiner genau nachfragte, was dort passierte. Der Drang nach Freiheit habe Menschen zum Beruf des Psychoanalytikers gebracht.
In dem Beitrag von André Haynal, 1956 aus Budapest in die Schweiz emigriert, tauchten bereits einige der Ereignisse auf, die die heutige Sicht auf die Geschichte der Psychoanalyse im sozialistischen Ungarn prägen: die freiwillige Selbstauflösung der Ungarischen Psychoanalytischen Vereinigung 1949, die als eine Niederlage empfunden wird, die Auseinandersetzung mit Georg Lukács als dem wichtigsten und einflussreichsten intellektuellen Gegner der Psychoanalyse und die traurigen Schicksale einiger ungarischer Psychoanalytiker wie Lilly Gimes, die ihren Mann durch die Nazis verlor, ihren Sohn nach einem Prozess durch die Stalinisten und die sich n