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Vorweg: Makari weiß, worüber er schreibt, und er schreibt hervorragend. Allein deswegen verdiente das Buch, empfohlen zu werden. Der Autor stützt sich auf eine breite Basis von Quellen in verschiedenen Sprachen. Seine große Leistung ist es, aus der erdrückenden Fülle des historischen Materials ideengeschichtliche Linien herauszuarbeiten und - nicht selten neue und überraschende - Zusammenhänge herzustellen. Noch dazu tut er dies in einfacher, auch dem gebildeten Laien verständlicher Sprache und in einer geradezu spannenden Form.
Dass dabei immer ein subjektiver Faktor mitspielt, dass andere das Material vielleicht anders ausgewählt und gewichtet, aufgrund derselben Materiallage eine etwas andere Geschichte erzählt hätten, dass man manches vermisst oder über manches gerne mehr lesen würde oder dass sich im Detail hin und wieder kleine Fehler eingeschlichen haben, ist bei einem so ambitiösen und umfassenden Projekt wohl unvermeidlich. Denn es geht um nichts weniger als um eine Ideengeschichte der Psychoanalyse von ihren Anfängen bis zum Ausbruch des Zweiten Weltkriegs.
Eine faszinierende Geschichte: wie sich Freud aus einer Reihe von vorgefundenen Theorien Teile herausnahm, sie teilweise drehte und wendete, mit eigenen Beobachtungen und Überlegungen vermischte, sie dann in sich ändernden therapeutischen Settings anwendete und so eine große neue Synthese schuf. »As he had done with Charcot, Freud borrowed from Breuer and then, armed with his mentor's ideas, pivoted to face his teacher« (S. 46). Im IV. Abschnitt des ersten Kapitels lesen wir z. B., wie Freud dazu kam, sich auf intrapsychische Prozesse zu konzentrieren, auf einen »mental conflict«, und darauf, wie jemand »by nothing more than her own thoughts« traumatisiert werden kann (S. 42). »Freud had given the mind the power to wound itself« (S. 45). Ein Motto für ein Lebenswerk.
Es war nicht leicht, diese sich entwickelnde »Psychoanalyse« zu fassen, vor allem auch, weil Freud selbst oft entscheidende Änderungen vornah