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Am 28. September 2006 veröffentlichte Franz Maciejewski in der Frankfurter Rundschau einen Beitrag mit dem Titel »Freuds Geliebte«. Anlass war seine Entdeckung, dass Freud und seine Schwägerin Minna Bernays im Sommer 1898 gemeinsam in einem Zimmer im »Hotel Schweizerhaus Osteria vecchia« in Maloja übernachtet hatten. Das geht aus einem eigenhändigen Eintrag Freuds im Gästebuch des Hotels hervor. Er lautet: »Dr Sigm Freud u Frau« und ist auch im hier zu besprechenden Buch abgebildet (S. 28).
Maciejewski will deutlich machen, dass die sogenannte »Minna-Affäre« zu Freuds »in der Kindheit erworbenen Beziehungsmustern« passt (S. 216). Seine Vorgehensweise beschreibt er so: »Ich werde die Geschichte der Aufdeckung der Liebesaffäre zwischen Sigmund und Minna […] nicht als ›chronique scandaleuse‹ und damit im Geiste eines ›Anti-Freud‹ erzählen. Vielmehr soll die Geschichte dem Ton und Stil nach sehr freudianisch aufgerollt werden […]. D. h. Minna Bernays interessiert nicht in erster Linie als Freuds Geliebte, sondern vielmehr als Wiedergängerin einer älteren Gestalt des Eros aus den Kindertagen des kleinen Sigmund. Wie die Julierstraße als Teil des altrömischen Wegenetzes über viele Etappen hinweg mit Rom als dem geheimen Mittelpunkt verbunden war, so wird sich zeigen, dass die Wege der Libido, auf denen Freud in Maloja gewandelt ist, in den Spuren seiner unglücklichen Kindheit verlaufen. Gemeint ist der Zwei-Mütter-Komplex, den Freud in seiner Freiberger Zeit erworben hat, als seine Erziehung konkurrierend in den Händen seiner Mutter