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Hanenbergs Buch, das auf seiner Münchener Dissertation basiert, möchte der wissenschaftlichen Kreativität Freuds auf die Spur kommen. Aber der Autor ist unentschieden geblieben, ob er eine historische Recherche unternehmen oder eine systematische Behauptung entfalten will. Im Ergebnis ist das Buch beides zugleich und keines von beidem konsequent.
Die historische Recherche gilt der Phantasie bei Freud - und zwar sowohl dem Begriff der Phantasie als auch Freuds eigener Phantasie bzw. Kreativität bei der Entwicklung der Psychoanalyse. Die systematische These des Buchs lautet, dass Freuds Denken sich im »Grundschema des Parallelvorgangs« entfalte (S. 75). Wie Hanenberg schreibt, besteht nach diesem Schema eine »relationale Unabhängigkeit«, d. h. ein »dynamisches Wechselverhältnis« zwischen physiologischen und psychologischen Vorgängen (S. 73). Dementsprechend führt er die Phantasie als ein psycho-physiologisches Phänomen ein. Über dessen physiologische Seite ist noch wenig bekannt, die psychische Definition des Phänomens hält Hanenberg jedoch auch ziemlich unbestimmt: hochkomplex, prozesshaft, vorsprachlich, mit »nahezu allen seelisch-emotionalen Lebensäußerungen des Menschen verwoben« (S. 13) und Grundlage von künstlerischer wie wissenschaftlicher Kreativität. Ein kurzer