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Archive sind die wichtigsten Arbeitsstätten der Historiker, sie haben oft mythische Bedeutung. Was ist archivwürdig, was geht verloren, wer hat Zugang? Für Historiker der Psychoanalyse sind es zunächst die Sigmund Freud Papers in der Library of Congress, Washington, die sie der »Wahrheit« näherbringen. In Washington aber liegen auch zahlreiche Nachlässe von Schülerinnen und Schülern Freuds, darunter ein Teilnachlass Wilhelm Reichs, der bis zur Öffnung 2005 zu vielen Spekulationen geführt hat. Zwei Jahre später, 2007, wurde die von Reich selbst verfügte 50-Jahr-Sperre seines Hauptnachlasses in Rangeley (Maine) aufgehoben.
Dieses Datum war der Anlass für die vom November 2007 bis März 2008 im Wiener Jüdischen Museum gezeigte Ausstellung mit dem Titel »Sex!Pol!Energy!«. Es handelte sich um die erste umfassende Schau zu Leben und Werk Wilhelm Reichs. Zeitlich orientierte sie sich, wie Birgit Johler erklärt (S. 144), an einer von Reich selbst vorgegebenen Einteilung: Die Jahre 1918-1930 umspannen die eigentliche psychoanalytische Periode; die Jahre 1930-1936 sind geprägt vom Bemühen um Sexualökonomie und eine »naturwissenschaftliche Psychoanalyse«; den Abschluss bildet der längste Abschnitt 1936-1957, als Reich sich der Entdeckung der Lebensenergie widmete. Der Katalog greift die drei Themenschwerpunkte der Ausstellung auf und führt über sie hinaus: Neurosenprophylaxe, Körperpanzer, Lebensenergie.
Reich ist kein Unbekannter. Seine schillernde, kreative, laute, tragische Persönlichkeit ruft entweder unterwürfige Bewunderung oder unreflektierte Ablehnung