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Mitscherlichs Wort von der »vaterlosen Gesellschaft« traf 1963 auf einen Zeitgeist, der gerade dabei war, sich vom Joch der Väter zu befreien. Die rebellierenden Studenten nahmen die Formel begeistert auf, denn sie schien ihrem Ansinnen entgegenzukommen, den repressiven Geist der 60er Jahre und generell alles Patriarchale zu beseitigen. Das machte Mitscherlich und seine Sozialpsychologie neben Marxismus und Kritischer Theorie eine Zeitlang zu einer wichtigen Bezugsgröße der Studentenbewegung, und auch Mitscherlich selbst empfand sich als Sympathisant und Unterstützer der protestierenden Studenten, bis er zunehmend in Konflikt zu ihnen geriet. Diesem Spannungsverhältnis ging im Frühjahr 2008 eine Jenenser Tagung nach, mit Beiträgen von Karola Brede, Micha Brumlik, Martin Dehli, Norbert Frei, Tobias Freimüller, Ulrike Jureit, Hans-Martin Lohmann, Paul Nolte und Christian Schneider. Der zugehörige Tagungsband wird hier betrachtet.
Tatsächlich beruhte die Bundesgenossenschaft zwischen Mitscherlich und der Protestgeneration auf einem Missverständnis. Es entstand daraus, wie Norbert Frei zeigt, dass Mitscherlich trotz seines Verständnisses für den Generationenkonflikt unbeirrbar auf die Stärkung der Kritikfähigkeit jedes Einzelnen setzte und an der psychoanalytischen Tugend des Triebverzichts festhielt. Das bedeutete auch die Verteidigung liberaler Werte