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»Interessant und lächerlich« - so lautete seinerzeit Musils Fazit über Theodor Reiks Schnitzler-Buch. Nach einer mehr als hundertjährigen Geschichte psychoanalytischer Literaturinterpretationstheorie und -praxis gibt dieses Urteil noch immer die ambivalente bis ablehnende Haltung wieder, mit der nicht nur Literaturwissenschaftler, sondern auch Analytiker den mittlerweile sehr vielgestaltigen Bemühungen begegnen, literarische Werke modo psychoanalytico zu interpretieren. Speziell in Deutschland hielt die Ablehnung auch deshalb an, weil die Traditionslinie dieser Arbeit infolge der Liquidierung der Psychoanalyse ab 1933 abgerissen war.
Erste Anzeichen einer Wiederaufnahme der Tradition lassen sich Mitte der sechziger Jahre beobachten, im Umfeld der von der Studentenbewegung angestoßenen Beschäftigung mit der Psychoanalyse. Von einer breiter angelegten, auch institutionalisierten Fortführung kann aber erst Mitte der siebziger Jahre die Rede sein, als sich bisher versprengt wirkende Literaturwissenschaftler und Psychoanalytiker in Freiburg zu einem Diskussionskreis zusammentaten und die erste einer Reihe von Arbeitstagungen ausrichteten, deren Ergebnisse fortan in der Reihe Freiburger literaturpsychologische Gespräche veröffentlicht wurden (und bis heute veröffentlicht werden). Die hier angezeigte Aufsatzsammlung vermittelt einen facettenreichen Überblick über diese Geschichte. Ausgehend von der Beobachtung, dass es »meist besondere - oft biographisch begründete - Umstände waren, die Einzelne veranlassten, sich für die Verbindung von Psychoanalyse und Literaturwissenschaft zu interessieren«, haben die Herausgeber zehn Vertreter der »ersten Generation« gebeten, ihren je eigenen Weg zu ihrem gemeinsamen Arbeitsgebiet darzustellen.
»Sich Rechenschaft darüber abzulegen, wie man zur Literaturpsychologie gekommen ist«, schreibt Peter Dettmering gleich am Anfang seines Beitrags, »schließt notgedrungen persönlich gefärbte Erinnerungen ein, wobei man sich vor der Gefahr zu hüten h