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Da ist er also wieder, der wilhelminische Don Juan mit unerschöpflichem Portemonnaie: »Heute Nachm. endlich das Erlebnis, das mir Rußl. vertraut gemacht hat«, notiert Oscar A. H. Schmitz im Mai 1914 erleichtert, nachdem er in einem Moskauer Bad mit einer jungen Bäuerin ins »Geschäft« kam. »Ohne ein gelungenes Frauenabenteuer bleibt mir jedes Land fremd.«
Der 1873 in Bad Homburg geborene Literat war ein früher Fall von Sexsucht; Frauen konnte Schmitz nur als »Besitz« und Beute sehen. Zu Lebzeiten wurde er, der über Mode und Manieren, Lebensund Liebeskunst schrieb, durchaus gelesen und gelobt, von Hofmannsthal, Hesse und Thomas Mann etwa; nach seinem Tod 1931 geriet er rasch in Vergessenheit. Einzig sein boshafter Schlüsselroman über die Schwabinger Boheme Wenn wir Frauen erwachen findet bis heute Leser. Sein nun erstmals veröffentlichtes Diarium, gewiss kein literarisches Ereignis, wohl aber ein kultur- und mentalitätsgeschichtliches Dokument ersten Ranges, bezeugt eindrucksvoll, wie verstört die wilhelminische Männerwelt auf die »erwachenden« Frauen reagierte, wie sehr mann sich immer wieder seiner Virilität versichern musste.
Noch im Vorgängerband der dreiteiligen Edition (Ein Dandy auf Reisen, Berlin ) verging kein Tag, an dem der rastlos durch aller Herren Länder Reisende nicht selbstzufrieden seine amourösen Erlebnisse festgehalten hätte. Im dritten, dem Abschlussband haben Einträge wie der zitierte nur noch Seltenheitswert. Die Außenwelt mit ihren Reizen tritt zurück, nach innen geht jetzt der Weg: Nach Jahren des Exzesses und der angestrengten Inszenierung als Dandy und Weltmann war Schmitz das Identitätsgefühl abhanden gekommen. Die forcierte Nabelschau lässt die Lektüre jedoch stellenweise zum Martyrium werden, zu kryptisch und ich-bezogen sind die für die letzten Jahre nur fragmentarisch erhaltenen Einträge. Anders als die in den ersten beiden Bänden veröffentlichten Tagebücher waren diese nie für eine Veröffentlichung vorgesehen. Dass der erneut vorbildl