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Die Lebenserinnerungen von Alice Salomon (geb. 1872 in Berlin, gest. 1948 in New York) wurden zum 100-jährigen Jubiläum der von ihr gegründeten Sozialen Frauenschule und in ihrem 60. Todesjahr neu herausgegeben.
Die Autorin (Dr. phil. ) beschreibt ihre 1893 beginnenden Initiativen zur Bekämpfung von Armut und Diskriminierung in der weiblichen Arbeiterschaft: ihre Kritik an der öffentlichen Armenpflege, ihren Einsatz für verbesserte rechtliche Bedingungen der Heimarbeit und für eine Umgestaltung der Krankenhaus- und Jugendfürsorge in Berlin. Durch die an ihrer Schule gelehrte »Recherche« häuslicher wie familiärer Verhältnisse und persönlicher Charakterzüge in der Vorbereitung von Prozessen am Jugendgericht verstand sie sich als »Vorläufer der Psychoanalyse« (S. 51). Als Begründerin des Berufs der Sozialen Arbeit, als Kämpferin für Frauenstudium, Frauenwahlrecht und weibliche Berufstätigkeit und als Autorin zahlreicher Veröffentlichungen zu einer wissenschaftlichen Theorie der sozialen Arbeit wurde sie 1932 zu ihrem 60. Geburtstag mit der Verleihung des Dr. med. h. c. und der Preußischen Staatsmedaille geehrt. 1933 wurden ihr durch die Nationalsozialisten alle öffentlichen Ämter entzogen, 1937 auch beide Doktortitel, Staatsbürgerschaft und Vermögen. Ihre Lebenserinnerungen verfasste sie auf Englisch in der Emigration.
Salomon hat die internationale Bewegung miterlebt und -gestaltet, die zur Entfaltung eines Bewusstseins für Frauenrechte führte, wobei nach ihren Beobachtungen das Deutsche Kaiserreich in dieser Hinsicht weit hinter den