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Volkmar Sigusch war von 1972 bis 2006 Professor für Sexualwissenschaft und Leiter des gleichnamigen Instituts an der Goethe-Universität Frankfurt am Main. Seine Geschichte der Sexualwissenschaft - der Autor veröffentlicht dazu seit 30 Jahren grundlegende Beiträge in der Zeitschrift für Sexualforschung - ist eine mit großer Leidenschaft und ebensolcher Schonungslosigkeit geschriebene »Standortbestimmung« seiner Disziplin, der kritischen Sexualwissenschaft, von den Anfängen bis zur Gegenwart: »Kritische Sexualwissenschaft - wie ich sie in den achtziger Jahren entworfen habe […] - denkt vom Widerspruch her, versucht, den Prozess der Aufklärung dialektisch zu begreifen, geht beidem nach, Licht und Schatten, auch in sich selbst« (S. 527). Die Überschrift eines Unterkapitels: »Nichts verschweigen, nichts beschönigen« (S. 375) kann als Motto für den gesamten Band gelten.
Er umfasst 24 in sich abgeschlossene Kapitel, die in drei Teile gegliedert sind: »Die Anfänge der Sexualwissenschaft«, »Von der Blüte bis zur Zerstörung durch die Nazis« und »Vom Wiederbeginn nach 1945 bis zur Jahrtausendwende«. Die Melange verschiedener Textsorten und Abbildungsformen, die er bietet, ist ungewöhnlich, fügt sich aber zu einem gut lesbaren, (gewollt) unvollständigen Bild der deutschen Sexualwissenschaft zusammen; der DDR-Geschichte ist ein eigenständiger Beitrag von Günter Grau gewidmet.
Im Kapitel »Pioniere und ihre Werke« finden sich biografische Kurzporträts der ersten Vertreter des Felds, denen ausführliche Kapitel zu Schlüsselfiguren einschließlich Werkanalysen folgen; einige von ihnen wie Heinrich Kaan und Paolo Mantegazza sind völlig neu recherchiert. Weitere Kapitel sind sexualwissenschaftlichen Einzelthemen sowie Organisations- und Publikationsprojekten gewidmet, die Sigusch detailversessen