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Freud hat sich viel Mühe gegeben, eine kompakte Schule zu gründen und zu erhalten, eigenständig, mit einheitlichen Ausbildungsrichtlinien und einem gemeinsamen Fundus an Lehrüberzeugungen. Gleichwohl haben sich die Teilgruppen der IPV unterschiedlich entwickelt, so dass man in mancher Hinsicht eigentlich nicht von der Geschichte der Psychoanalyse sprechen kann, sondern von den Geschichten im Plural sprechen muss. Und ganz offenbar wird die konkrete psychoanalysehistorische Arbeit - abgesehen von der Pionierzeit, die irgendwie allen gehört - gewöhnlich auf nationaler, wenn nicht sogar lokaler Ebene betrieben: Die eigenen Ahnen sind naturgemäß am interessantesten. Es ist aber nützlich, über den Tellerrand hinauszuschauen und zu sehen, wie der Weg der Psychoanalyse in anderen Ländern war. Dadurch gewinnen auch Besonderheiten des eigenen Wegs ein schärferes Profil. Einen solchen Blick über die Grenzen bietet das vorliegende Heft: in die Niederlande. Das Kardinaldatum ist, dass die Rezeption Freud'schen Denkens hier wesentlich von einem psychiatrischen Lehrstuhl ausging und dass deshalb über Jahrzehnte eine Spannung zwischen der Orientierung an der Psychiatrie und an der Internationalen Psychoanalytischen Vereinigung bestand.
Von dieser Spannung handelt weithin der Beitrag von Harry Stroeken. Johan van Ophuijsen, dessen Lebensgeschichte Stroeken erstmals in einiger Breite erzählt, vertrat in seiner Heimat die internationale Ausrichtung und geriet so in Konflikte, die 1933 zur Spaltung der kleinen niederländischen IPV-Gruppe führten. Kernpunkte des Streits waren die spezifische psychoanalytische Ausbildung und die Ausübung der Analyse durch Laien. Im persönlichen Bereich erfahren wir u. a., dass van Ophuijsens zweite Frau, Ans van Mastrigt, schon vor ihrer Heirat eine vertraute Beziehung zu Freuds Familie hatte. Freud schrieb ihr in einer Ehekrise einen Brief, der viel von seinem Eheverständnis verrät. Der Psychologe Johan Varendonck, bekannt durch sein von Anna Freud über