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Um die linken Freudianer ist es stiller geworden. Ihre Schriften gehören kaum zur Lektüre praktizierender Psychoanalytiker, und auch die Soziologen sind heutzutage mit ganz anderem beschäftigt. Wilhelm Reich, dessen Sexualökonomie und Sexualpolitik ihm ebenso viel Aufmerksamkeit eintrugen wie seine spätere Wendung zur Orgonomie und seine Verfolgung durch die US Food and Drug Administration, hat es bereits auf mehrere Biographien gebracht. Der beste Kopf der Gruppe hingegen, Siegfried Bernfeld, scheint völlig vergessen.2 Nun aber gibt es immerhin auch eine Biographie Otto Fenichels, dieses Sammlers und Ordners des bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs akkumulierten psychoanalytischen Wissens, aus der Feder von Elke Mühlleitner. Auf S. 12 dieser Lebensbeschreibung wird uns versichert: »In Fachkreisen ist Otto Fenichel weder unbekannt noch vergessen.« Dass man das heute schreiben kann, ist das Verdienst der Fenichel-Herausgeber (zu denen die Autorin selbst gehört) und -Übersetzer, die in zwei Schüben (1974-1981 und 1998-2001) dafür gesorgt haben, dass Fenichels Hauptschriften heute in ausgezeichneten deutschen Ausgaben vorliegen.3 Doch abgesehen davon, dass in den USA im vergangenen halben Jahrhundert kaum noch Fenichel-Texte veröffentlicht wurden und sich dort bisher niemand für seinen Nachlass interessiert hat, muss daran erinnert werden, dass Fenichels zentrales Interesse an einer Klärung des Verhältnisses der Freud'schen Psychoanalyse zur (marxistischen) Soziologie von Anfang an in »Fachkreisen« auf wenig Verständnis stieß. Schon an seinem »Kinderseminar« in Berlin tadelten die Direktoren des Psychoanalytischen Instituts (Karl Abraham, Max Eitingon und Ernst Simmel), »daß Fenichel zu viele Abende auf die Beziehung der Psychoanalyse