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In der Synopsis eines Interviews von K. R. Eissler mit Emanuel E. Garcia, die Michael Schröter im letzten Heft dieser Zeitschrift vorgelegt hat, heißt es ohne weiteren Kommentar, dass ein gewisser Paul Mellon der »Hauptspender« gewesen sei, der Mittel für den Ankauf von Freud-Briefen für das Sigmund-Freud-Archiv bereitgestellt habe (Schröter 2009, S. 50). Diese Bemerkung veranlasst mich, die LeserInnen von LUZIFER-AMOR auf einen in psychoanalysehistorischen Kreisen vielleicht wenig bekannten Mäzen aufmerksam zu machen (siehe Hersh 1978; Koskoff 1978; Mellon 1992).
Paul Mellon (1907-1999) war der Sohn von Andrew William Mellon, einem Bankier und Industriellen, US-Finanzminister von 1921 bis 1932, einem der reichsten Männer Amerikas. 1900 heiratete dieser die 20-jährige Nora Mary McMullen, Tochter von Alexander P. McMullen, einem Hauptaktionär der Guinness Brauereien. Aus der Ehe, die 1912 geschieden wurde, gingen zwei Kinder hervor, Ailsa (geb. ) und Paul. Andrew Mellon war, hierin ein Vorbild für seinen Sohn, ein überaus großzügiger Mäzen; u. a. stiftete er 1937 seine Kunstsammlung und 10 Millionen Dollar für die Errichtung der National Gallery of Art auf der National Mall in Washington, D. C.
Paul Mellon übernahm nach dem Studium in Yale und Cambridge (England) 1931 eine Stelle in der Mellon National Bank in Pittsburgh. 1935 heiratete er Mary Conover (1904-1946). Als Miterbe nach dem Tod seines Vaters wurde er selbst zu einem der reichsten Männer Amerikas. 1936 gingen die Mellons zu dem Ehepaar Ann Moyer und Erlo van Waveren, die in New York eine jungianische Praxis betrieben, in Analyse. Sie trafen C. G. Jung erstmals bei dessen Besuch in New York 1937, worauf sie 1938 in die Schweiz gingen, mit Jung und Toni Wolff analytisch arbeiteten, die Eranos-Tagungen in Ascona und teilweise auch Jungs Seminare besuchten. Nach dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs kehrten sie in die USA zurück (vgl. Kirsch 2007 [2000], S. 108 f.).
In der Nachfolge von Edith Rockefeller McCormick