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Nach der Begrüßung durch Gerhard Fichtner und Albrecht Hirschmüller konnte sich diesmal rasch wieder das typische Tübinger Symposionsgefühl einstellen: eine Mischung aus engagierter Aufmerksamkeit und Familiarität. So traf Werner Pohlmann: »Erlebnis als Dichtung« - Die Entstehung der Psychoanalyse im Kontext psychologischer Gegenstandsbildungen am Ende des 19. Jahrhunderts: Brentano, Dilthey, Ehrenfels, Lipps und Freud auf ein bestens disponiertes Publikum. Die synoptische Darstellung der philosophischen Psychologie des 19. Jahrhunderts unterstrich einerseits die theoretischen Differenzen der genannten Autoren und andererseits die ihnen gemeinsame Hintergrundannahme, dass im seelischen Leben das Zentrum einer übergreifenden Einheit des Subjekts zu sehen sei. Im Erlebnisbegriff vereinigten sich die Konzepte von Gestalt, Struktur und Unbewusstem, die letztlich auf die eigenen Gesetzmäßigkeiten des Seelischen verweisen.
Günter Gödde knüpfte mit seinem Beitrag Wie Freud mit der Phänomenologie in Berührung kam nahtlos an seinen Vorredner an. Er gründete seinen Widerspruch gegen die These, Freud sei ein Antiphilosoph gewesen, auf drei Quellen: 1. Jugendbriefe an Silberstein; 2. Hinweise auf Lipps im Witz-Buch; 3. Freuds Kontakte zu Ludwig Binswanger. In der Diskussion wurde dem eine Bemerkung Freuds gegenüber M. Eastman aus den 30er Jahren entgegengesetzt. Außerdem artikulierte sich ein Unbehagen darüber, dass nur wieder altbekannte Fährten gelegt worden seien, die von philosophischen Quellen scheinbar direkt zu den basalen Konzepten Freuds von Trieb und ubw Vorstellung führten. Vielleicht sei es lohnender, den Spieß umzudrehen und die Auswirkungen des Freud'schen Denkens auf die Philosophie zu untersuchen.
Am nächsten Tag schlug Stefan Goldmann: »Ein Therapeut von Gottes Gnaden« - Zu den Lehr- und Wanderjahren von Wilhelm Fließ ein bisher wenig bekanntes Kapitel aus der Lebensgeschichte von Fließ auf. Ein Briefwechsel mit dem Schriftsteller Hermann Sudermann zeigt ihn als