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Weiterhin erscheint Freuds letztes großes Werk Der Mann Moses und die monotheistische Religion wie ein unendlich reicher Steinbruch, aus dem sich Geisteswissenschaftler vieler Bereiche Teile entnehmen, sie analysieren, bewerten und daraus neue Gestalten formen. Nach vielerlei Veröffentlichungen über diesen Text in den letzten Jahrzehnten und vielen heftigen Diskussionen darüber sieht es aber auch so aus, als ob in einigen Bereichen die Formenvielfalt der Verarbeitungen an eine Grenze gekommen sei.
In den Beiträgen zu dem hier anzuzeigenden 7. Band der Wiener Schriften zur Geschichte der Neuzeit begegnen einem bekannte Gestalten, einige in durchaus angenehmem Gewand, stilistisch und formal gut entwickelt, knapp, präzise, mit ausgearbeiteter These. Aber diejenigen Arbeiten, die sich auf die Aussagen über das Judentum im Mann Moses konzentrieren, eröffnen keine wirklich neuen Gedanken. Eveline List beispielsweise, Historikerin und Psychoanalytikerin, liest Freuds Text mit den Augen von Lacan und Pierre Legendre als eine Arbeit über die Entstehung von Gesetz und kommt zu einer das Judentum idealisierenden Interpretation, die Freud selbst vermutlich ferngelegen hätte. Sie bleibt hierbei auch stehen, wie viele dieser Gestalt folgenden Überlegungen, und ignoriert Freuds irritierenden Gedanken, dass das Christentum bei allem Rückfall in die Mystik doch »ein Fortschritt in Bezug auf die Wiederkehr des Verdrängten« sei.
Die beiden Ägyptologen Jan Assmann und Peter Jánosi stellen fest, dass Freuds Projekt zwar vom historischen Standpunkt aus gescheitert sei, aber geisteswissenschaftlich wichtige Ausblicke eröffnet habe: Assmann meint, Freud habe zwischen dem phylogenetischen und dem ontogenetischen Gedächtnis ein Drittes gefunden, das ethnogenetische Gedächtnis, das die Dimension des Unbewussten einbezieht. Jánosi sieht durch Freuds Text wichtige Bereiche der Ägyptologie berührt und stellt sich am Schluss seines Aufsatzes über »Die Ägyptologie und Moses, der Ägypter« auf Freuds