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Die zu besprechende Aufsatzsammlung versteht sich als Nachtrag zu den zahlreichen Würdigungen Freuds anlässlich seines 150. Geburtstags, aber ihr Anliegen ist nicht etwa eine Schlussbilanz im Sinne einer Historisierung, sondern die Frage, welche Wirkung von Freuds Schriften heute (noch) ausgeht, ja welche Wirkung sich vielleicht sogar erst heute, also »nachträglich« entfaltet. Um das herauszufinden, haben sich die Herausgeber Rolf Haubl und Tilmann Habermas Verstärkung bei neun weiteren Frankfurter Hochschullehrern verschiedener fachlicher Provenienz geholt und sie um die Re-Lektüre eines Freud-Textes eigener Wahl gebeten, der ihnen »Anstoß und Ideengeber für aktuelle Debatten in ihrem Fach ist« (S. 9). Das Ergebnis der »Umfrage« lässt sich grob in drei Gruppen ordnen. Die erste beschäftigt sich mit metapsychologischen Grundkonzepten und Fragen zum Behandlungssetting, eine zweite mit Freuds Texten zu Kunst, Literatur und Ästhethik und die dritte mit den klassischen Schriften zur Sexualität und Geschlechterdifferenz.
Rolf Haubl nimmt die Schrift »Zeitgemäßes über Krieg und Tod« zum Ausgangspunkt für eine nähere Betrachtung des Freud'schen Begriffs der Illusion, dessen Spezifik er in ebenso konziser wie luzider Weise vor dem Hintergrund einer Ausfächerung seiner verschiedenen von Freud intonierten Semantiken herausschält. Dabei bricht er eine Lanze für eine diskursive Aussöhnung der Illusion als Tochter des Wunsches (und nicht etwa der Verblendung) mit dem Primat der psychoanalytischen Aufklärung. Eine Bestandssicherung psychoanalytischen Urgesteins anderer Art betreibt Christa Rohde-Dachser, die das Schicksal des Konzepts vom Unbewussten nach Freuds Das Ich und das Es systematisch in seine Rezeptionsvarianten bei Klein, Bion und in der relationalen Schule hineinverfolgt. Anregend ist ihr Befund, jede dieser Theorien enthalte »als Subtext einen Mythos« (S. 60), der die existenziellen Ängste und Sehnsüchte der conditio humana abbilde. Bekanntlich ist es das analytische