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Schon um 1910 wurden im Kreis um Freud pädagogische Fragen in Bezug auf die Bedeutung von Erziehung für die kindliche Entwicklung und damit für die Entstehung von Neurosen diskutiert, aber der Terminus »psychoanalytische Pädagogik« ist erst mit dem Erscheinen der Zeitschrift für psychoanalytische Pädagogik (ab ) zu einem festen Begriff geworden. Doch wie kam die Pädagogik überhaupt zur Psychoanalyse? In welcher Weise wurden die psychoanalytischen Diskurse in der Pädagogik praktisch? Ist die psychoanalytische Pädagogik als Teilgebiet der Psychoanalyse oder der Pädagogik zu verstehen oder als eigenständige praxisorientierte Theorie? Diesen und ähnlichen Fragen geht die Autorin in dem vorliegenden Band, einer Innsbrucker Diplomarbeit in Erziehungs- und Bildungswissenschaften, nach. Als zentrale Quellen verwendet sie ausgewählte Beiträge des Psychoanalytischen Volksbuchs und des Almanachs der Psychoanalyse. Beide Publikationsorgane waren primär an Laien adressiert, d. h. nicht zuletzt an Eltern, Lehrer und andere mit Erziehung befasste Gruppen.
Anfangs verstand sich psychoanalytische Pädagogik als Erziehungskritik sowie als Neurosenprophylaxe. Ohne institutionelle Verankerung wurde sie von einzelnen Erziehern, die selbst eine Analyse durchgemacht hatten, entwickelt und in diversen theoretisch-praktischen Konzepten realisiert. Entscheidende Impulse setzten August Aichhorn und Heinrich Meng, auf deren Biographie und Werk Zagorac besonders eingeht. War die pädagogische Zielsetzung anfangs auf eine »Befreiung des Kindes«