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Wie »Kindergarten«, »Heimweh« und »Schadenfreude« gehört »Zeitgeist« zum eigensten Wortschatz der deutschen
Sprache. Da der Berliner Psychiatrie-Emeritus Hanfried Helmchen seiner Disziplin eine besondere Nähe zum Zeitgeist unterstellt, bat er Psychiater, Neurologen, Psychotherapeuten und Medizinhistoriker um einschlägige Stücke aus der Berliner Psychiatriegeschichte. Ausgangspunkt war sein früherer Sammelband zur Psychiatrie an der Freien Universität Berlin, der ihn veranlasst hat, dem Zeitgeist-Thema in einem größeren zeitlichen Rahmen nachzuspüren und seinen Referenten präzise Vorgaben für ein entsprechendes Symposium und die darauf fußende Monographie zu machen. So ist ein beeindruckender 500-Seiten-Band mit einer Mischung aus anekdotischen und wissenschaftlichen Beiträgen und vielen Photos entstanden, in dem man trotz einer nur knappen Einführung des Herausgebers dessen planende und redigierende Präsenz auf fast jeder Seite erkennt.
Die insgesamt 24 Texte sind in zwei Teilen organisiert. Im ersten »Psychiatrie im wissenschaftlich-konzeptuellen Kontext: Differenzierungen« wird die sich herausbildende Psychiatrie zwischen Psychologie, Philosophie, Neurologie und Hirnforschung situiert und dann in ihrer Stellung zur Rechtsmedizin, Pädiatrie und Altersmedizin beschrieben. Wie alle Beiträge des Buches ist auch die Untersuchung von F. W. Stanisch über Psychiatrie und Hirnforschung mit dem wortmächtigen Untertitel »Zu den interstitiellen Übergängen des städtischen Wissenschaftsraums im Labor der Berliner Metropole« schlicht ein biographischer Essay, nämlich über Oskar und Cécile Vogt, Korbinian Brodmann und Kurt Goldstein.
Im zweiten Teil »Psychiatrie im gesellschaftlich-politischen Kontext: Wechselwirkungen« werden gesellschaftspolitische Rahmenbedingungen im 19. Jahrhundert skizziert (u. a. V. Hess über »Die Geburt der Berliner Psychiatrie aus dem Geist der Verwaltung« und B. Holdorff über den Kampf um die traumatische Neurose). Vom »Rande der Psychiatrie 1900-1933«