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Die weltweit erste Übersetzung eines Textes von Freud erschien bereits 1893 in Spanien, kaum mehr als einen Monat nach der Veröffentlichung im Original. Das welterste Projekt einer Gesamtausgabe der Werke Freuds wurde ab 1922 realisiert, fast zeitgleich mit der ersten deutschen Werkausgabe - ebenfalls in Spanien. Freud war erstaunt, dass man sich gerade in Spanien, einem Land mit geringer Bevölkerungsdichte und einem im europäischen Vergleich niedrigen kulturellen Niveau, gegenüber seinen Schriften derart aufgeschlossen zeigte. Die Hispanistin und Psychologin Hanna Knapp hat eine Untersuchung vorgelegt, anhand derer man den Gründen für dieses frühe Interesse nachgehen und die Rezeption der Psychoanalyse in der spanischen öffentlichen Debatte, in Medizin und Psychiatrie, vor allem aber in Literatur und Kunst verfolgen kann.
Mit dem Verlust der letzten Kolonien im ausgehenden 19. Jahrhundert hatte Spanien seinen Weltmachtstatus eingebüßt. Damit war das Land zu einem »Problem« geworden, dessen »Lösung« der Philosoph José Ortega y Gasset in Europa sah. Im Rahmen seiner Bemühungen um eine Europäisierung Spaniens veröffentlichte der umfassend gebildete und in den verschiedensten Bereichen tätige Ortega erste zusammenfassende Darstellungen der Psychoanalyse und regte die Übersetzung und Gesamtausgabe der Schriften Freuds an. Der Grundstein für eine intensive und mit bemerkenswerter Selbstverständlichkeit geführte öffentliche Debatte war gelegt. Von hier aus zeichnet Knapp den Einfluss nach, den Freuds Theorien auf das Kultur- und Geistesleben Spaniens ausgeübt haben. Die Besonderheit der spanischen Rezeptionsgeschichte liegt, wie sie zeigt, vor allem darin, dass die Psychoanalyse »nicht nur als Neuerung in der medizinischen Welt wahrgenommen [wurde], sondern […] von Beginn an für das intellektuelle Leben ingesamt von Bedeutung [war]« (S. 222 f.).
Wesentlich begünstigt wurde dies durch ein eng gestricktes intellektuelles Netz, in dem »die Personen, die es bildeten, unvermeidl