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Für die Freud-Forschung ist 2010 ein langerwartetes Jubeljahr. Nun endlich, da die 70-jährige Schutzfrist nach seinem Tod abgelaufen ist, können Freuds Texte publiziert werden, ohne dass dafür eine Genehmigung beim literarischen Agenten seiner (Ur-)Enkel eingeholt und Gebühren oder Tantiemen bezahlt werden müssen. LUZIFER-AMOR wird dank dieser Befreiung in Zukunft vermehrt unveröffentlichte Freud-Briefe abdrucken.
Einen Anfang damit machen die Beiträge zum Themenschwerpunkt des vorliegenden Hefts. Sie beziehen sich auf einzelne Patienten Freuds, d. h. im weiteren Sinn auf seine therapeutische Praxis. Von allen Aspekten des Freud'schen Werks - seiner klinischen und allgemein-psychologischen Theorie, seiner Organisation und seiner Praxis - hat der letzte bisher die geringste Aufmerksamkeit gefunden. Das ist sachlich unbegründet, da Freuds globaler Erfolg wesentlich darauf beruht, dass er das Modell einer im Fortgang des 20. Jahrhunderts boomenden professionell-therapeutischen Tätigkeit geschaffen hat. Insofern ist die Frage nach seiner Praxis von unmittelbarer Relevanz für seine direkten und indirekten Nachfolger. Dass sich Freuds eigenes Verhalten als Analytiker nicht immer mit seinen technischen Ratschlägen für andere deckte, ist ein bekanntes Ergebnis einschlägiger Arbeiten. Aber Details über seine therapeutische Praxis sind schwer zu ermitteln; man muss sie zumeist aus Briefmaterial und publizierten Patienten-Erinnerungen zusammentragen. Eine Reihe von Einzelstudien über Patienten kann helfen, den Boden für eine umfassendere Darstellung zu bereiten.
Allerdings sind der Verwendung von Informationen über Freud-Patienten, auch wo man sie hat, Grenzen gezogen. Es handelt sich dabei inzwischen weniger um rechtliche Grenzen: In Deutschland jedenfalls wird personenbezogenes Archivgut normalerweise 60 Jahre nach Entstehung des Dokuments, 10 Jahre nach dem Tod bzw. 90 Jahre nach der Geburt des Betroffenen zur Nutzung freigegeben. Aber bei psychotherapeutischen Patienten erfo